„Transparenz schafft Zukunft: Wo stehen wir heute wirklich?
Klimaschutz beginnt mit Transparenz. Die folgenden Auswertungen helfen Ihnen, den aktuellen Stand der Energiewende rasch und prรคzise zu erfassen. Ohne erhobenen Zeigefinger, dafรผr mit klaren Daten und smarten Analysen.
Wichtige Treiber wie der Ausbau der Photovoltaik oder die Elektrifizierung des Verkehrs werden als Indikatoren des Klimaschutzes untersucht. Durch die Nutzung monatlicher Datensรคtze werden neue Trends sofort sichtbar โ lange bevor sie in Jahresberichten auftauchen.
Sie schรคtzen schnelle Orientierung? Unsere Klima-Ampel zeigt Ihnen fรผr jeden Indikator einzeln, wo wir stehen. Erfahren Sie im Begleittext die Details hinter der Bewertung โ fรผr eine Einordnung mit Substanz.

Grรผn: Ausbauziel erfรผllt.
Gelb: Ziel nicht erfรผllt, langfristiger Trend ungenรผgend -> im Auge behalten.
Rot: Ziel deutlich verfehlt -> Sonderanstrengung nรถtig.
Lust auf mehr Tiefgang? Unsere Grafiken gehen ins Detail: Dazu visualisieren wir die aktuellen Entwicklungen der einzelnen Indikatoren auf Monatsbasis. Da manche Werte saisonal stark schwanken, nutzen wir fรผr den Vergleich mit den Klimazielen einen gleitenden Mittelwert [1]Die Monatswerte werden รผber 12 Monate geglรคttet. In der grafischen Darstellung fรผhrt die Glรคttung zu einer gewissen Verzรถgerung gegenรผber der realen Entwicklung, dies wurde beim Vergleich mit den Zielen entsprechend korrigiert..
Statt starrer Fixpunkte nutzen wir einen Zielkorridor, innerhalb dessen sich die Indikatoren entwickeln sollten [2]Bei steigenden Indikatoren dรผrfen die aktuellen Werte auch darรผber liegen, bei absinkenden auch darunter.. Das erlaubt eine realistische Einordnung, denn vorausschauender Klimaschutz braucht auch Flexibilitรคt.
Wo es die Datenlage erlaubt, integrieren wir zudem eine mathematische Trend-Analyse auf Basis der aktuellen Entwicklung.
Elektro-Mobilitรคt
Ziel der Klimapolitik ist es, den Autoverkehr bis 2050 komplett zu elektrifizieren. Der entscheidende Hebel: Ca. ab dem Jahr 2035 sollen keine Autos mehr mit CO2-Ausstoss zugelassen werden [3]Dies entspricht auch dem aktuellen EU-Ziel.

Die obige Grafik stellt in Grau die monatliche Entwicklung des E-Auto-Anteils in % der gesamten Neuzulassungen dar [4]Quelle: Bundesamt fรผr Statistik. Basierend auf diesen schwankenden Monats-Zahlen wird ein gleitender Mittelwert (Rot) berechnet, der sich oberhalb oder innerhalb des grรผnen Ziel-Korridors bewegen sollte [5]Quelle: Eigene Simulation. Der Ziel-Korridor setzt sich aus einem „oberen“ Pfad mit starkem Wachstum und einem „unteren“ Pfad mit moderatem Wachstum zusammen.

Zielvorgaben erreicht, Ausblick unsicher: Wรคhrend das angestrebte Ziel in den Jahren 2021 bis 2024 รผbertroffen wurde, ist seit Anfang 2024 kaum noch Wachstum zu verzeichnen (Seitwรคrtsbewegung). Da der aktuelle Anteil von etwas รผber 20 % innerhalb des Ziel-Korridors liegt, wird die Auswertungs-Ampel trotzdem mit Grรผn bewertet. Die kรผnftige Entwicklung bleibt aber abzuwarten.
Photovoltaik (PV)
Die erneuerbare Stromproduktion bildet das Fundament fรผr eine klimaneutrale Schweiz. Zu beachten ist, dass insbesondere die Elektrifizierung der Mobilitรคt und des Wรคrmesektors (Wรคrmepumpen) den Strombedarf kรผnftig erhรถhen werden. Bis 2050 wird sich die Schweizer Stromversorgung aus einem diversifizierten Mix โ bestehend aus Wasserkraft, Photovoltaik, Wind, Biomasse, Geothermie sowie synthetischen Gasen โ zusammensetzen. Den Hauptbeitrag wird dabei die Photovoltaik leisten.

Die monatlichen Daten zur PV-Produktion [6]Quelle: https://www.energy-charts.info/?l=de&c=CH sind in Grau dargestellt. In Rot der zur Glรคttung der Jahreszeitlichen Schwankungen berechnete gleitende Mittelwert, der sich im grรผnen Ziel-Korridor bewegen sollte. Der Ziel-Korridor orientiert sich nach unten an einem Strom-Szenario von Nationalrat Grossen [7]https://powerswitcher.axpo.com/de, nach oben an den offiziellen Zielvorgaben des Bundesrates und des aktuellen Stromgesetzes. Die Rot gepunktete Linie zeigt den berechneten Trend an.

Zielvorgaben knapp verfehlt โ Trendentwicklung dennoch positiv:
Der aktuelle Ausbau der Photovoltaik wรคchst im gewรผnschten Rahmen, verlรคuft derzeit aber leicht unterhalb des definierten Zielkorridors. Zwar deutet der berechnete Trend eine positive Richtung an, auf der anderen Seite dรคmpfen aktuelle Unsicherheiten die Prognosen [8]https://www.swissolar.ch/de/markt-und-politik/markt-schweiz/solarmonitor-schweiz. Aufgrund dieser volatilen Rahmenbedingungen bewerten wir die Situation derzeit mit einer gelben Ampel. Die kommenden Monate werden zeigen, wie es weiter geht.
Wind-Energie
Windenergie bildet die ideale Ergรคnzung zur Photovoltaik: Sie liefert insbesondere dann wertvolle Ertrรคge, wenn die Solarproduktion aufgrund von Nebel oder in den Wintermonaten abnimmt.

Zwei Aspekte der obigen Grafik sind besonders auffรคllig: Zum einen stagniert der in Grau dargestellte Ausbau der Windenergie (und damit auch der in Rot eingezeichnete gleitende Mittelwert) in den letzten Jahren [9]Quelle: https://www.energy-charts.info/?l=de&c=CH, zum anderen zeigt sich ein aussergewรถhnlich breiter grรผner Zielkorridor. Dieser wird nach unten durch ein Energie-Szenario von Nationalrat Grossen [10]https://powerswitcher.axpo.com/de begrenzt, wรคhrend die obere Grenze durch die Zielsetzungen von ex-Nationalrat Nordmann [11]https://powerswitcher.axpo.com/de definiert wird, was weitgehend den Ambitionen des Bundesrates entspricht. Leider bewegt sich der aktuelle Ausbau der Windenergie weit unterhalb jeglicher Ziele!

Zielvorgaben deutlich verfehlt โ Kritische Versorgungslรผcke: Diese Stagnation bei der Windenergie ist besonders kritisch, da die volatilen Photovoltaik-Ertrรคge im Winter auf die Ergรคnzung durch Windkraft angewiesen sind. Ein Verzicht auf diesen Pfeiler im Energiemix ist kaum denkbar; hier besteht unmittelbarer und dringender Handlungsbedarf.
Erneuerbare Wรคrme
Der Bereich Wรคrme in Haushalten, Industrie und Dienstleistungen stellt einen markanten Posten der Schweizer Energiebilanz dar. Die bessere Dรคmmung von Gebรคuden und der Ersatz fossiler Heizsysteme durch elektrische Wรคrmepumpen sind dabei entscheidende Hebel der Klimapolitik.

Die Grafik zeigt in Rot den jรคhrlichen Endenergieverbrauch [12]Endenergie: Die Energie, die beim Endkunden ankommt, z.B. die Energie des Heizรถls im Tank fossil erzeugter Wรคrme der Schweiz [13]Quelle: Schweizerische Statistik der erneuerbaren Energien, ttps://www.bfe.admin.ch/bfe/de/home/versorgung/statistik-und-geodaten/energiestatistiken/teilstatistiken.html an. Diese bewegt sich aktuell im vorgegeben Ziel-Korrdiro (Grรผn) und auch der der berechnete Trend (Rot gepunktet) stimmt positiv.
Die abfallende Kurve zeigt, wie fossile Brennstoffe kontinuierlich ersetzt werden. Dies geschieht durch ein Zusammenspiel aus Effizienzgewinnen (z. B. Gebรคudehรผllen-Isolierung) und dem Umstieg auf erneuerbare Systeme, insb. Wรคrmepumpen. Wรคrmepumpen haben den grossen Vorteil, dass beim Umstieg von einer fossilen Heizung nur etwa 1/3 – 1/5 der ursprรผnglichen Energie als Strom bezogen werden muss [14]Siehe COP/Leistungszahl von Wรคrmepumpen in https://www.bfe.admin.ch/bfe/de/home/versorgung/energieeffizienz/umgebungswaerme.exturl.html/aHR0cHM6Ly9wdWJkYi5iZmUuYWRtaW4uY2gvZGUvcHVibGljYX/Rpb24vZG93bmxvYWQvMTAwNzc=.html , der Rest wird gratis aus der Umwelt bezogen. Was die Relevanz einer stabilen, erneuerbaren Stromversorgung โ insbesondere im Winter, unterstreicht.
Da Heizungssysteme oft 20 Jahre oder lรคnger im Einsatz sind, beeinflussen heutige Entscheidungen die Zielerreichung bis 2050 massgeblich.

Zielvorgaben erreicht โ Weitere Entwicklung jedoch offen: Die angestrebte Reduktion fossiler Brennstoffe im Wรคrmesektor konnte bis anhin realisiert werden. Es bleibt jedoch unsicher, inwiefern dieser Erfolg auf kurzfristigen Einspareffekten (Quick Wins) basiert oder ob die notwendigen, langfristigen Investitionen in den Ersatz fossiler Heizsysteme schnell genug greifen werden. Aufgrund dieser Unklarheit ist der zukรผnftige Trend noch mit Vorsicht zu bewerten.
Treibhausgase
Die zentrale Messgrรถsse fรผr den Klimaschutz ist und bleibt die Bilanz der Treibhausgas-Emissionen [15]wobei unter Treibhausgasen nicht nur CO2 Emissionen, sondern auch die Emissionen anderer treibhausaktiver Gase wie CH4, N2O und synthetische Gase eingerechnet werden.. Da diese Auswertung sehr komplex ist, verรถffentlicht das Bundesamt fรผr Umwelt (BAFU) diese Daten erst mit einer Verzรถgerung von fast zwei Jahren [16]https://www.bafu.admin.ch/de/treibhausgasinventar.

In Rot die gemessene Treibhausgasemissionen, grรผn der gesetzte Ziel-Pfad.
Die wesentlichen Eckpunkte der CO2-Reduktionsziele der Schweiz:
Bis 2050 sollen die Treibhausgasemissionen eliminiert oder kompensiert werden. Als Zwischenziel soll im Jahr 2030 eine Reduktion von 50% gegenรผber 1990 erreicht werden, siehe „Klimaziel-30“ in der Grafik.

Treibhausgas-Bilanz 2023: Trend positiv, aber Ziel verfehlt. Obwohl die Emissionen gegenรผber 2021 in den Jahren 2022 und 2023 leicht gesunken sind, liegt die Schweiz weiterhin รผber dem definierten Zielpfad (grรผn). Wรคhrend in den Sektoren Industrie und Gebรคude sichtbare Fortschritte erzielt wurden, stagnieren gemรคss BfU die Emissionen in den Bereichen Verkehr und Landwirtschaft.
Die Trendlinie (rot gepunktet) signalisiert aber, dass das Ziel 2050 noch erreicht werden kann.
Bemerkung: Die Treibhausgase der internationalen Flรผge sind, รผbereinstimmend mit den Bestimmungen der UNO-Klimakonventionen, in den obigen Zahlen nicht inbegriffen (siehe dazu „Hintergrรผnde und Daten Treibhausgase“). – Dies wird mit den Zahlen ab 2025 รคndern, dann wird sรคmtlicher in der Schweiz getankter Treibstoff dazu gezรคhlt.
Offene Punkte …
Natรผrlich sind die oben aufgefรผhrten Indikatoren nicht die einzigen Aspekte, die fรผr eine „Netto-Null“-Strategie angegangen werden mรผssen! Es sind zwar wichtige Aspekte, aber es gibt noch viele andere Mรถglichkeiten fรผr entsprechende Indikatoren. Bei der Auswahl spielte es auch eine Rolle, ob entsprechende Ist- und Soll-Daten aus verlรคsslichen Quellen erhรคltlich sind.
Um die anderen Aspekte nicht aus den Augen zu verlieren, ein paar statistische Angaben, wo wieviel Treibhausgase entsteht:

Besonders heikle Punkte, fรผr die es keine einfachen technischen Lรถsungen gibt, sind z.B. die Betonproduktion und die Landwirtschaft (Fleisch- und Reisproduktion).
Wichtig auch zu erwรคhnen: In den obigen Zahlen ist der internationale Flugverkehr nicht enthalten!
Siehe dazu Flugemissionen.
Neben den geforderten Ausbaumengen an erneuerbarem Strom mรผssen auch die Herausforderungen bezรผglich benรถtigter Speichersystemen zum Ausgleich der jahreszeitlichen, tรคglichen und kurzfristigen Schwankungen bei PV und Wind beachtet werden.
Ein Augenmerk mรผssen wir auch auf sog. Rebound-Effekten haben: Neue Technologien fรผhren zu Energieeinsparungen, was รผber tiefere Preise dazu verleiten kann, diese Technologien vermehrt einzusetzen! Zudem werden durch einen erfolgreichen CO2-Umbau Erdรถlprodukte weniger nachgefragt werden. Die Erdรถlproduzenten werden darauf wohl mit Preisreduktionen antworten. Das kรถnnte dazu fรผhren, dass manche Staaten billiges Erdรถl fรผr ihre Energieproduktion nutzen. Dieses Problem kann nur international angegangen werden, dabei mรผssen auch die Interessen der erdรถlproduzierenden Lรคnder berรผcksichtig werden.
Wir dรผrfen uns auch nicht generell nur auf den Binnenkonsum konzentrieren. Viele Gรผter werden importiert (z.B. Autos, Batterien). Auch die im Ausland erzeugten Klimagase mรผssen berรผcksichtig werden. Dieses Problem wird z.B. in einem Artikel der Republik [17]Republik, 22.2.2021, Daniel Bรผttler, „Unsere Klimaยญbilanz, zerlegt in Einzelteile“. https://www.republik.ch/2021/02/22/unsere-klimabilanz-zerlegt-in-einzelteile?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=republik%2Ftemplate-newsletter-taeglich-2021-02-22, basierend auf Empa und Bafu-Daten, beschrieben. Dieser Bericht zeigt, unser Treibhausgas-Fussabdruck entlang der gesamten Materialยญkette ist mehr als doppelt so hoch wie die Inlandยญ-Emissionen, die wir gemรคss Klimaยญ-Konvention ausweisen!

Abkรผrzungen …
| BFE | Bundesamt fรผr Energie |
| BAFU | Bundesamt fรผr Umwelt |
| BFS | Bundesamt fรผr Statistik |
| KWh, MWh, TWh, PWh | Wattstunden – eine Masseinheit der Arbeit bzw. der Energie, wird insb. in der Elektrizitรคtswirtschaft verwendet. K=Kilo=1000, M=Mega=1000 K, T=Tera=1000 M, P=Peta=1000 T |
| KJ, MJ, TJ, PJ | Joule – ist im Internationalen Einheitensystem (SI) die Masseinheit der Energie K=Kilo=1000, M=Mega=1000 K, T=Tera=1000 M, P=Peta=1000 T 1 1 Terajoule [TJ] = 0,277โฆ Gigawattstunde [GWh] |
Anmerkungen
| ↑1 | Die Monatswerte werden รผber 12 Monate geglรคttet. In der grafischen Darstellung fรผhrt die Glรคttung zu einer gewissen Verzรถgerung gegenรผber der realen Entwicklung, dies wurde beim Vergleich mit den Zielen entsprechend korrigiert. |
|---|---|
| ↑2 | Bei steigenden Indikatoren dรผrfen die aktuellen Werte auch darรผber liegen, bei absinkenden auch darunter. |
| ↑3 | Dies entspricht auch dem aktuellen EU-Ziel |
| ↑4 | Quelle: Bundesamt fรผr Statistik |
| ↑5 | Quelle: Eigene Simulation. Der Ziel-Korridor setzt sich aus einem „oberen“ Pfad mit starkem Wachstum und einem „unteren“ Pfad mit moderatem Wachstum zusammen |
| ↑6, ↑9 | Quelle: https://www.energy-charts.info/?l=de&c=CH |
| ↑7, ↑10, ↑11 | https://powerswitcher.axpo.com/de |
| ↑8 | https://www.swissolar.ch/de/markt-und-politik/markt-schweiz/solarmonitor-schweiz |
| ↑12 | Endenergie: Die Energie, die beim Endkunden ankommt, z.B. die Energie des Heizรถls im Tank |
| ↑13 | Quelle: Schweizerische Statistik der erneuerbaren Energien, ttps://www.bfe.admin.ch/bfe/de/home/versorgung/statistik-und-geodaten/energiestatistiken/teilstatistiken.html |
| ↑14 | Siehe COP/Leistungszahl von Wรคrmepumpen in https://www.bfe.admin.ch/bfe/de/home/versorgung/energieeffizienz/umgebungswaerme.exturl.html/aHR0cHM6Ly9wdWJkYi5iZmUuYWRtaW4uY2gvZGUvcHVibGljYX/Rpb24vZG93bmxvYWQvMTAwNzc=.html |
| ↑15 | wobei unter Treibhausgasen nicht nur CO2 Emissionen, sondern auch die Emissionen anderer treibhausaktiver Gase wie CH4, N2O und synthetische Gase eingerechnet werden. |
| ↑16 | https://www.bafu.admin.ch/de/treibhausgasinventar |
| ↑17 | Republik, 22.2.2021, Daniel Bรผttler, „Unsere Klimaยญbilanz, zerlegt in Einzelteile“. https://www.republik.ch/2021/02/22/unsere-klimabilanz-zerlegt-in-einzelteile?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=republik%2Ftemplate-newsletter-taeglich-2021-02-22 |