Grafische Darstellung und Auswertung der jรคhrlichen Entwicklung der CO2-Reduktion in der Schweiz anhand mehrerer Indikatoren.
In den Grafiken wird unterschieden zwischen:
– Ist-Werten (Vergangenheit) und daraus abgeleiteten Trends (mรถgliche Zukunft).
– Ziel/Soll-Werten (geplante Zukunft) fรผr die Erreichung von CO2 Netto-Null [1] Net Zero oder Netto-Null ist der Punkt, ab dem die menschengemachten Treibhausgasemissionen, einschlieรlich CO2 und Methan, so weit wie mรถglich gesenkt, und alle Restemissionen aus der Atmosphรคre entfernt wurden (z.B. mit Carbon Capture and Storage) .
Jรคhrlich wird pro Indikator ein Fortschrittswert (siehe Methodik) ermittelt, der das Verhรคltnis zwischen Ziel- und Ist-Werten darstellt. Ein Fortschritt von 1 zeigt an, dass die gesetzten Ziele (Soll-Werte) erreicht wurden. Dieser rechnerisch ermittelte Fortschritt wird in Form einer Ampel dargestellt:

Grรผn: erfolgreich, Fortschritt > 0.95 erfolgreich.
Gelb: zu langsam, Fortschritt >= 0.5 und <0.95
Rot: viel zu langsam, Fortschritt < 0.5
Methodik …
Erfassung des Fortschritts: Jรคhrlich (nicht alle Daten stehen gleichzeitig zur Verfรผgung) werden die Entwicklungen der erfassten Ist- und Soll-Wert gegenรผber den Ist-Werten an einem Referenzzeitpunkt [2]Ist- und Soll-Wert sollten beim Referenzzeitpunkt mรถglichst beisammen liegen. In den Datensรคtzen ist der Referenzzeitpunkt jeweils markiert. Falls das Ziel eine Absenkung ist, gilt entsprechend: Fortschritt = (Referenzwert-Ist – Ist-Wert) / (Referenzwert-Ist – Soll-Wert) miteinander in Beziehung gesetzt.

Fortschritt = (Ist_Wert – Referenzwert_Ist) / (Soll_Wert – Referenzwert_Ist)
Diese Auswertung wurde an das deutsche Ariadne-Projekt https://tracker.ariadneprojekt.de/de/ (31.3.2024) angelehnt.
Der Fortschritt wird folgendermassen auf eine Ampel umgesetzt

Grรผn: erfolgreich, Fortschritt > 0.95
Gelb: zu langsam, Fortschritt >= 0.5 und <0.95
Rot: viel zu langsam, Fortschritt < 0.5
Zur Veranschaulichung der verwendeten Methodik ein Beispiel:

Soll/Ist-Vergleich: Die blauen Balken stellen die jรคhrlichen Ist-Werte des Bestandes an erneuerbaren Personenwagen dar. Orange-gepunktet die Sollkurve, welche die Zielwerte angibt. Blau-gepunktet eine mathematisch aus den vorhandenen Ist-Werten abgeleitete Trendkurve. Trendkurven zeigen an, wie es anhand der zurรผckliegenden Entwicklung weiter gehen kรถnnte. Diese Kurve kann exponentiell, linear, logarithmisch oder polynomisch sein.
Die interaktiven Grafik zur Darstellung der Ist- und Soll-Werte wurde basierend auf Python-Code aus openenergytracker.org von Alexander Roth & Wolf-Peter Schill, unter der CC-BY 4.0 Open-Source-Lizenz, erstellt. Die erstellen Grafik sind ebenfalls Open-Source.
Falls vorhanden, werden bei den Ist- und den Soll-Zahlen offizielle Daten der Bundesรคmter BFE (Energie) und BFU (Umwelt) verwendet, in einzelnen Fรคllen wurde ein eigenes Soll-Modell gerechnet.
Entsprechende Hintergrundinformationen und Datenquellen befinden sich im jeweiligen (ausklappbaren) Kapitel „Hintergrรผnde und Daten“.
Die verwendeten Datensรคtze (EXEL) fรผr die Grafiken befinden sich hier.
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Bedienung Interaktiver Grafiken:
PC: Maus รผber Grafik -> Anzeige numerischer Werte, Menรผ oben rechts -> Download, Zoom, Verschieben etc.
Mobile: Klick -> Anzeige Werte, Doppelklick -> Grundbild
Treibhausgase
Update: Mai 2025 (Daten vom Bundesamt fรผr Umwelt jeweils ca. 2 Jahre verzรถgert)
Die wesentlichen Eckpunkte der CO2-Reduktionsziele der Schweiz:
Bis 2050 sollen die Treibhausgasemissionen [3]wobei unter Treibhausgasen nicht nur CO2 Emissionen, sondern auch die Emissionen anderer treibhausaktiver Gase wie CH4, N2O und synthetische Gase eingerechnet werden. eliminiert oder kompensiert werden. Als Zwischenziel soll im Jahr 2030 eine Reduktion von 50% gegenรผber 1990 erreicht werden.

Auswertung Treibhausgase fรผr 2023: Es hat eine leichte Absenkung gegenรผber 2022 gegeben. Das Soll-Ziel wurde aber nicht erreicht, immerhin stimmt der Trend einigermassen.
Der Fortschritt hat sich aber von 0.88 (22) auf 0.77 verschlechtert [4]Fortschritt > 0.95 -> erfolgreich -> Grรผn;
Fortschritt >= 0.5 und <0.95 -> zu langsam -> Gelb;
Fortschritt < 0.5 -> viel zu langsam -> Rot; siehe auch Methodik, was eine gelbe Ampel, d.h. „zu langsam“, bedeutet.
Gemรคss Bundesamt fรผr Umwelt wurden Fortschritte im Bereich Industrie und Gebรคude erreicht. Keinen Fortschritt gab es im Bereich Verkehr und Landwirtschaft.
Bemerkung: Die Treibhausgase der internationalen Flรผge sind, รผbereinstimmend mit den Bestimmungen der UNO-Klimakonventionen, in den obigen Zahlen nicht inbegriffen (siehe dazu „Hintergrรผnde und Daten Treibhausgase“). – Dies wird mit den Zahlen ab 2025 รคndern, dann wird sรคmtlicher in der Schweiz getankte Treibstoff dazu gezรคhlt.
Hintergrรผnde und Daten Treibhausgase …
Soll-Kurve: Anhand der politisch vorgegebenen Eckpunkten wurde vereinfachend eine lineare Absenkung ermittelt. [5]Umwandlungsprozesse erfolgen meist nach logistischen Modellen, siehe dazu Transformationsmodelle.
Mit dem verwendeten Absenkungspfad bis 2050 kann vermutlich das Ziel einer maximalen Erwรคrmung des Klimas von 1.5 Grad nicht eingehalten werden, siehe dazu z.B. Zero 2035. Diese Studie zeigt unter anderem auch auf, dass Netto-Null bis 2035 theoretisch mรถglich wรคre, dieses Ziel aber nur extrem schwer erreichbar ist und massive Verhaltensรคnderungen voraussetzt.
Die hier verwendeten Modelle zur Erfassung der Soll-Ziele basieren nicht auf massiven Verhaltensรคnderungen, sondern primรคr auf Effizienz und einem industriellen Umbau zu CO2 freien Technologien. Damit steigen die gesellschaftlichen Umsetzungschancen. Aber auch dieser Weg wird gewisse persรถnliche Anpassungen z.B. beim Fleischkonsum und der Mobilitรคt (Fliegen) beinhalten.
Trotz mancher Unsicherheiten ist es wichtig, dass wir alle gemeinsam ambitionierte aber auch realistische Ziele ins Augen fassen und diese schnellstmรถglich umsetzen. Wir sollten uns dabei aber auch bewusst sein, dass es laufend Anpassungen an neue Entwicklungen geben wird.
Ist-Daten:
Die Ist-Daten basieren auf dem BAFU Treibhausgasinventar. Siehe dort unter „Weiterfรผhrende Informationen / Daten“ das EXCEL -File „Entwicklung THG Emissionen seit 1990“, Zeile „Total(3)“ und andere Rubriken.
ACHTUNG: Zwischen dem Download Okt21 und Juni22 wurden vom BAFU รคltere Werte in den Tabellen scheinbar rรผckwirkend angepasst (kleine Abweichungen). Diese „Nachtrรคge“ wurden nicht รผbernommen.
Bemerkung betr. Flugemissionen: Verwendet wird im Monitoring das Total des Treibhausinventars, welches รผbereinstimmend mit den Richtlinien der UNO-Klimakonvention in der Emissionsstatistik die Emissionen des internationalen Flug- und Schiffsverkehr nicht enthรคlt (die inlรคndische Emissionen unterliegen den Reduktionszielen des Pariser Abkommens, wรคhrend die Emissionen des internationalen Luftverkehrs dem Klimaschutzinstrument CORSIA unterliegt). Dasselbe gilt fรผr die Treibhausgasbilanz der Landnutzung, also die Treibhausgasemissionen und Kohlenstofffixierung durch Bรถden und Vegetation. Das Treibhausgasinventar berรผcksichtigt zudem keine Emissionen, die bei der Produktion von Importgรผtern (inklusive Importstrom) entstehen.
Wie schรคdlich die Flugemissionen wirklich sind, zeigt eine Antwort des Bundesrates auf eine Interpellation:
Auszรผge aus einer Antwort des Bundesrates (2019) auf eine Anfrage von Jรผrg Grossen:
- Die Berechnung der Treibhausgasemissionen des Luftverkehrs wird bisher und zukรผnftig entsprechend den international anerkannten Regeln fรผr die Erstellung der nationalen Treibhausgasinventare gemรคss Klimakonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) erfolgen. Fรผr den internationalen Luftverkehr werden die CO2-Emissionen ausgewiesen und umfassen die ganzen Flugstrecken bis zur Destination. Die Emissionen des internationalen Flugverkehrs sind im Reduktionsziel gemรคss Kyoto-Protokoll und CO2-Gesetz nicht eingeschlossen.
- Die Emissionen pro Einwohner und Jahr, welche alleine durch Flugreisen entstehen, werden nicht separat erhoben. Unter den Annahmen, welche der Antwort auf Frage 2 zugrunde liegen, kann man von rund 0,8 Tonnen CO2 pro Einwohner und Jahr ausgehen. Dem gegenรผber stehen 4,5 Tonnen CO2 pro Einwohner und Jahr.
Eigene Abschรคtzungen anhand obiger Angaben: Da die Gesamtmenge 4.5 + 0.8 Tonnen = 5.3 Tonnen betrรคgt, verursacht der Flugverkehr ca. 15 % der Treibhausgasemissionen.
Der WWF kommt zu einer noch hรถheren Anteil, nรคmlich 27 %: https://www.wwf.ch/de/unsere-ziele/flugverkehr Diese Differenz lรคsst sich dadurch erklรคren, dass der Flugverkehr neben den bekannten Klimagasen auch andere Effekte erzeugt (z.B. Kondensstreifen), welche ebenfalls klimawirksam sind. Die Berechnung dieser Effekte sind sehr aufwรคndig und befinden sich aktuell (2021) in Diskussion. Siehe dazu „Die Auswirkungen der Flugverkehrsemissionen auf das Klima, Swiss Academies Communications“.
Kurzรผberblick der wichtigsten Klima-Abkommen und Gesetze (Stand Ende 2020):
Die Schweiz trat den zwei zentralen internationalen Klima-Abkommen bei:
2003: Ratifizierung des Kyoto-Protokolls
2017: Ratifizierung des รbereinkommens von Paris
Zur Umsetzung des Kyoto-Protokolls in der Schweiz wurde 2011 das CO2-Gesetz revidiert und das Ziel einer Emissionsminderung um 20 Prozent unter das Niveau von 1990 im „Bundesgesetz รผber die Reduktion der CO2 Emissionen“ verankert.
Fรผr die Zeit nach 2021 erfolgte eine Totalrevision, die von der Stimmbevรถlkerung abgelehnt wurde. Mit der Annahmen des Klima- und Innovationsgesetzt 2023 wurde das Ziel Netto-Null bis 2050 gesetzlich festgelegt. Auch wurde festgelegt, dass soweit mรถglich die Reduktionen durch Emissionsminderungen in der Schweiz erfolgen.
Ziele der Schweiz als รbersicht (2030: 50%, 2040: 75% 2050 Netto-Null)
Die Datensรคtze (EXEL) fรผr die Grafiken befinden sich hier.
Erneuerbare Personenwagen
Update: Anfangs 2025
Im Jahr 2018 betrugen die CO2-Emissionen des Verkehrs in der Schweiz 40% der Gesamtemissionen, wovon rund 73 % durch Personenwagen verursacht wurden (BFS_Umweltauswirkungen des Verkehrs). Die Umstellung des Personenverkehrs auf erneuerbare Mobilitรคt ist daher ganz zentral.
Mit „Erneuerbaren“ sind alle Autos gemeint, die CO2-frei betrieben werden kรถnnen [6]Das kรถnnen Elektro-Autos sein oder solche mit einem Wasserstoff- oder E-Fuel Antrieb. Fรผr die CO2 Reduktion ist natรผrlich unabdingbar, dass der benรถtigte Strom nachhaltig erzeugt wird. .

Auswertung Erneuerbare Personenwagen fรผr 2024:
Bereits im Laufe von 2024 gab es klare Zeichen, dass sich der Wachstumstrend der eMobilitรคt abschwรคcht. Lag die Wachstumsrate 2022 noch bei 50%, haben wir nun noch ca. 30% Wachstum. Trotzdem, das Mengenziel 2024 wurde erreicht, auch der (exponentielle) Trend stimmt grundsรคtzlich.
Es resultiert ein Fortschritt von 1.44 [7]Fortschritt > 0.95 -> erfolgreich -> Grรผn;
Fortschritt >= 0.5 und <0.95 -> zu langsam -> Gelb;
Fortschritt < 0.5 -> viel zu langsam -> Rot; siehe auch Methodik, d.h. heisst im lรคngerfristigen Trend noch immer eine grรผne Ampel.
Weiterhin im Fokus mรผssen der Ausbau der Ladeinfrastruktur, die nachhaltige Stromproduktion und ein Batterierecycling bleiben.
Ein Wermutstropfen: Die Summe aller Personenfahrzeuge ist weiterhin gestiegen, was den Erfolg bezรผglich CO2-Ausstoss gefรคhrden kรถnnte. Allerdings ist anzumerken, dass die Anzahl Personenwagen pro Person nicht angestiegen und die Reduktionsrate der rein fossilen Personenwagen weiter zugenommen hat.
Hintergrรผnde und Daten Erneuerbare Personenwagen …
Ist-Werte:
Die Daten รผber den Bestand der Personenwagen bis 2019 (basierend auf BfS Daten) wurden 2021 heruntergeladen von https://www.swissinfo.ch/ger/co2-emissionen_weniger-kuehe–aber-mehr-fahrzeuge–die-schweiz-verfehlt-ihr-klimaziel/45868012.
Die jรคhrliches Updates erfolgen รผber diese BfS Seite . Aktuell werden beim BfS nur elektrische Personenwagen als nachhaltig gezรคhlt. Die Anzahl anderer nachhaltiger Antriebe (Wasserstoff- und andere synthetische Gase) sind aktuell noch zu gering.
Hybride Fahrzeuge werden nicht zu den nachhaltigen mitgerechnet.
Soll-Werte:
Da fรผr die Schweiz kein Modell fรผr den Umbau auf nachhaltige Fahrzeuge bis 2050 vorhanden war, habe ich ein eigenes Modell erstellt. Dieses berรผcksichtig insbesondere, dass konventionelle Fahrzeuge nicht vorzeitig ausgemustert werden sollen. Details dazu siehe unter Szenario Personenwagen.
Dabei wurde davon ausgegangen, dass der Individualverkehr nicht weiter wรคchst.
Fรผr die Berechnung dieses Soll-Szenarios wurde in den nรคchsten paar Jahren die aktuellen Wachstumswerte der Elektro-Autos (ca. 40%) fortgeschrieben, nach ca. 5 Jahren wird dann das weitere Wachstum durch die „natรผrliche Ersatzrate“ von fossilen Personenwagen beschrรคnkt (d.h. alte Wagen werden aus dem Verkehr gezogen, d.h. es wird keine unnรถtigen „vorzeitigen Verschrottungen“ geben).
Aus dem zugrundeliegenden Modell kรถnnen zeitliche Entwicklungen interessanter Aspekte, wie z.B. der Anteil der Erneuerbaren bei den Neuwagen, errechnet werden. Einige Aspekte sind in der nachfolgenden Grafik festgehalten. Daraus wird ersichtlich, dass in diesem Szenario ab 2030 in der Schweiz keine neuen fossilen Personenwagen mehr in den Verkehr kommen, d.h. die Erneuerbaren decken dann 100% der Neuwagen ab. Ab etwa 2045 kann so der Umbau abgeschlossen sein.

Bewertung:
Die oben formulierten notwendigen Schritte fรผr einen CO2-freien Verkehr bis spรคtestens 2050 sind ambitiรถs, aber nicht unrealistisch. Die im Szenario verwendeten anfรคnglichen jรคhrlichen Wachstumsraten der Erneuerbaren von gegen 40 % in den nรคchsten Jahren liegen durchaus im Bereich des Mรถglichen (d.h. im Schnitt des Wachstums der letzten 5 Jahre).
Im 2021 hat die EU ihren neuen Plan „EU Fit for 55“ publiziert, und dieser ist 2022 auf gutem Wege. Darin werden fรผr den Personenverkehr folgende Ziele formuliert: „Ab 2035 dรผrfen neu in der EU verkaufte Autos keine Emissionen mehr verursachen. Das bedeutet letztlich ein Verbot des herkรถmmlichen Verbrennungsmotors. Von der Leyen erklรคrte in Brรผssel, dass viele Autohersteller weltweit bereits Plรคne hรคtten, freiwillig auf derartige Antriebe zu verzichten, und zwar in einem Zeitraum zwischen 2028 und 2035.“ [8]NZZ 15.7.2021- Dies passt zum obigen Szenario!
Volvo_2030_Elektrisch zeigt, dass die Firma Volvo plant, bis ins Jahr 2030 nur noch elektrische Fahrzeuge zu produzieren.
Auch die aktuelle Studie Net Zero by 2050 der International Energy Agency kommt zu vergleichbaren Resultaten, dass insbesondere in entwickelten รkonomien die meisten neuen Personenwagen anfangs 2030 erneuerbar sein werden.
Also alles ganz einfach? – Ein kritisches Element dieser Transformation auf Seiten der Produzenten dรผrfte die Batterieproduktion sein, die sehr materialintensiv ist und spezielle Materialien braucht. Sicher sind dabei noch technologische Verbesserungen mรถglich (Materialien, Recycling). Auf jeden Fall muss aber die Stromproduktion und Autoproduktion ebenfalls CO2 frei werden! Und damit das aktuelle Wachstum nicht vorzeitig „abgewรผrgt“ wird, muss unbedingt die Ladeinfrastruktur zรผgig ausgebaut wird.
Alternative Ansรคtze? Wรคre es nicht รถkologisch sinnvoller diese Transformation durch eine Verlagerung des Verkehrs auf den รถffentlichen Verkehr oder auf Velos zu erreichen? Zum einen glaube ich nicht, dass sich unsere Gesellschaft massenhaft vom Auto wegbewegen wird und zum anderen kann ich mir im Moment leider (!) nicht vorstellen, dass ein entsprechender Kapazitรคtsausbau des รถffentlichen Verkehrs in der gegebenen Zeit denkbar wรคre. Nur ein kleines Beispiel: der neue Durchgangsbahnhof soll in Luzern ca. 2040 in Betrieb gehen. Bis dahin mรผsste der grรถsste Teil der Transformation bereits abgeschlossen sein! Trotzdem scheint mir wichtig, was im „Vernehmlassungsbericht zur Klima und Energiepolitik 2021 des Kantons Luzern“ steht: „Ebenso wichtig wie die technologische Transformation ist eine konsequente Verkehrspolitik, welche die Chancen der Effizienzsteigerung des Verkehrssystems durch Verlagerung auf effiziente Verkehrsformen (z.B. รV sowie Fuss- und Veloverkehr) sowie die Vermeidung von Verkehr verfolgt“.
Wir brauchen eine entsprechende Umverlagerung von Verkehrs, um ein allfรคlliges Verkehrswachstum aufzufangen!
Die Datensรคtze (EXEL) fรผr die Grafiken befinden sich hier.
Erneuerbare Stromproduktion
Update: August 2025
Die erneuerbare Stromproduktion stellt das Fundament einer CO2-freien Schweiz dar. Elektro-Mobilitรคt und Wรคrmeerzeugung mittels Wรคrmepumpen werden zusรคtzlichen Strom benรถtigen.
Die Stromproduktion der Schweiz wird im Jahr 2050 ein bunter Mix aus Wasserkraft, Solarstrom, Windenergie, Bioenergie, Geothermie, Wasserstoff oder anderer synthetischer Gase sein.
Fรผr das CO2-Monitoring fokussieren wir auf die Entwicklung der Erneuerbaren ohne die Wasserkraft, da die Wasserkraft momentan einen sehr hohe Anteil hat und damit Wachstums-Effekte der anderen Technologie „รผberdecken“ wรผrde. Den grรถssten Teil dieser erneuerbaren Produktion wird die Photovoltaik beisteuern, wobei im Winter die Unterstรผtzung durch Alpine-PV und Wind entscheidend sein wird.
Auswertung erneuerbare Stromproduktion fรผr 2024:

Der Fortschritt (siehe Methodik) der gesamten erneuerbaren Stromerzeugung liegt im oberen orangen Ampel-Bereich, ist damit trotzdem zu langsam, entwickelt sich aber in die richtige Richtung. Diese Entwicklung wird getragen durch den Ausbau der Photovoltaik (PV), die einen Fortschritt von beinahe 0.9 erreicht.
Diese positive Entwicklung spiegelt sich auch in der Trendlinie der Grafik „Erneuerbare Stromproduktion“ wieder, die ungefรคhr 2035 die Soll-Linie treffen kรถnnte.
Viel zu langsam ist der Fortschritt beim Wind, der sich sogar 2024 noch verschlechtert hat.
Bei der Alpinen-PV gibt es 2024 zwar ein leichtes Wachstum, aber der Fortschritt ist auf einem so tiefen Niveau, dass er in der obigen Grafiken nicht sichtbar ist.
Sowohl bei Wind als auch Alpiner-PV ist also dringender Handlungsbedarf angesagt..
Hintergrรผnde und Daten erneuerbare Stromproduktion …
Wir betrachten hier den tatsรคchlich produzierten Strom und nicht die installierte Leistung. D.h. die Verfรผgbarkeiten (Wettereinfluss) der eingesetzten Technologien fliessen ebenfalls in die Betrachtung mit ein (mit allen Vor- und Nachteilen).
Die Angaben erfolgen damit in TWh (Terawattstunden) [9]Energie [Wh] = Leistung [W] x Zeit [h].
Soll-Werte: Die Firma AXPO hat mit dem „Powerswitcher“ ein interessantes Werkzeug zum Vergleich unterschiedlicher Szenarien im Bereich Stromproduktion bereitgestellt. Dort kรถnnen Szenarien mehrerer Energieexperten miteinander verglichen werden. Fรผr die Ermittlung der Soll-Werte der Indikatoren „nachhaltigen Stromproduktion“ und „Windenergie“, wurde ab Frรผhjahr 2024 neu auf das dortige Szenario „Grossen“ gesetzt. Gegenรผber dem vorherigen Szenario („Axpo“) geht es von einem etwas hรถheren Bedarf aus. Es passt damit besser, zu den Ende 2023 verabschiedeten Zielen des Stromgesetzes. Unterschiede zum Stromgesetzt wurden in diesem Blog-Artikel diskutiert.
Die Ist-Werte wurden aus der „BFE Gesamtenergiestatistik“ รผbernommen (Siehe dort insb. unter Tabellen). Verwendet wurde die dortige Tabelle „T24: Elektrizitรคtserzeugung“. Dazu mรผssen die Erneuerbaren „herausgerechnet“ werden. Fรผr die erneuerbare Stromproduktion wurden „Erneuerbarer Anteil Konventionelle-thermische Kraft- und Fernheizwerke“ plus die Summe „Diverse erneuerbare Energien“ verwendet.
Speicher: Neben den geforderten Ausbaumengen mรผssen auch die Herausforderungen bezรผglich benรถtigter Speichersystemen zum Ausgleich der jahreszeitlichen, tรคglichen und kurzfristigen Schwankungen bei PV und Wind beachtet werden. Technische Lรถsungen sind vorhanden, bei der Umsetzung muss aber noch zugelegt werden.
Die Datensรคtze (EXEL) fรผr die Grafiken befinden sich hier.
Erneuerbare Wรคrme
Update: August 2025
Der Energiebedarf fรผr Wรคrme und Kรคlte in Haushalt, Industrie und Dienstleistung ist der grรถsste Posten in der Schweizer Energiebilanz. Die Haushalte sind fรผr rund 50 % des Bedarfs verantwortlich.
Auswertung erneuerbare Wรคrme fรผr 2024:

Die angestrebten Mengenziele fรผr erneuerbare Wรคrme wurden auch 2024 klar verfehlt, der Fortschritt (siehe Methodik) bewegt sich im tiefen gelben Ampel-Bereich (zu langsam) und ist gar rรผcklรคufig. Auch zeigt die Trendkurve der Erneuerbaren Wรคrme nicht genรผgend Wachstum!
Immerhin erfreulich: Die Trendkurve „Fossile Wรคrme“ bewegt sich auf 2050 hin tatsรคchlich gegen Null, vermutlich wegen geringerem Wรคrmebedarf in den letzten Jahren, was mit besseren Gebรคude-Isolierungen zusammen hรคngen kann.
Trotzdem: Der Ersatz bestehender Heizsysteme muss beschleunigt werden.
Hintergrรผnde und Daten Wรคrme&Kรคlte …
Die Verfolgung und Auswertung der nachhaltigen Wรคrme ist nicht ganz trivial, da je nach Statistik unterschiedliche Energien angeben werden (Siehe dazu Schweizerische Statistik der Erneuerbaren Energien, Kapitel 2.4). Zudem werden die Begriffe in den unterschiedlichen Unterlagen nicht ganz einheitlich verwendet. Wir verwenden hier den sog. „Endverbrauch“, der kleiner als die „Endenergie“ ist (Vor Juli 2024 wurden in der Auswertung der Wรคrme entsprechende Werte miteinander vermischt. Die Auswertung wurde daher neu รผberarbeitet und angepasst).
Die Erfassung der Ist-Werte (Nachhaltig und Fossil) erfolgt anhand der Figur 1.5 der Teilstatistik Schweizerische Statistik der Erneuerbaren Energien. Es wird der Endverbrauch erfasst.
Soll-Werte:
Anhand des Szenarios „Zero Basis“ der BFE Energieperspektiven 2050+ wurde der Wรคrme/Kรคltebedarf der Schweiz bis 2050 ermittelt (Kurzbericht, Abbildung 8: Entwicklung des Endenergieverbrauchs nach Verwendungszwecken, Prozesswรคrme, Raumwรคrme, Klima&Lรผftung, Warmwasser). Der gesamte Wรคrmebedarf (oben nicht eingezeichnet) nimmt bis 2050 ab, was darauf zurรผckzufรผhren ist, dass bei der Wรคrme- und Kรคlte-Erzeugung mit einer Effizienzsteigerung zu rechnen ist.
Bei den verwendeten Zahlen dieses Berichtes handelt es sich (entgegen den Ist-Werten) um die Endenergie, d.h grรถssere Zahlen als beim Endverbrauch. Dies zeigt auch ein Vergleich der erfassten Ist-Zahlen 2019 mit den Zahlen der Energieperspektiven bezogen auf das gewรคhlte Referenzjahr 2019. Es wurde daher basierend auf 2019 eine entsprechende Skalierung vorgenommen fรผr die Berechnung der Soll-Werte (siehe CO2Monitoring-SollWerte.xlsx).
Soll-Werte Nachhaltig: Da die fossilen Energiequellen bis 2050 ausgelaufen sein mรผssen, muss der gesamte Bedarf im Jahr 2050 durch erneuerbare Quellen abgedeckt werden. Damit ist der Ziel-Punkt der Kurve „Wรคrme erneuerbar Soll“ festgelegt. Als Startpunkt wurde der Ist-Wert 2019 verwendet, danach wurden beiden ermittelten Stรผtzpunkte linear interpoliert (warum eine lineare Interpolation? – Im BfE-Bericht „Energieperspektiven 2050+“, Abbildung 32, wird die Entwicklung der Fernwรคrme dargestellt. Diese entwickelt sich mehr oder weniger linear. Daraus kann geschlossen werden, dass sich auch die private erneuerbare Wรคrmedeckung annรคhernd linear entwickelt.
Die Datensรคtze (EXEL) fรผr die Grafiken befinden sich hier.
Offene Punkte …
Natรผrlich sind die oben aufgefรผhrten Indikatoren nicht die einzigen Aspekte, die fรผr eine „Netto-Null“-Strategie angegangen werden mรผssen! Es sind zwar wichtige Aspekte, aber es gibt noch viele andere Mรถglichkeiten fรผr entsprechende Indikatoren. Bei der Auswahl spielte es auch eine Rolle, ob entsprechende Ist- und Soll-Daten aus verlรคsslichen Quellen erhรคltlich sind.
Um die anderen Aspekte nicht aus den Augen zu verlieren, ein paar statistische Angaben, wo wieviel Treibhausgase entsteht:

Besonders heikle Punkte, fรผr die es keine einfachen technischen Lรถsungen gibt, sind z.B. die Betonproduktion und die Landwirtschaft (Fleisch- und Reisproduktion).
Wichtig auch zu erwรคhnen: In den obigen Zahlen ist der internationale Flugverkehr nicht enthalten!
Siehe dazu Flugemissionen.
Neben den geforderten Ausbaumengen an erneuerbarem Strom mรผssen auch die Herausforderungen bezรผglich benรถtigter Speichersystemen zum Ausgleich der jahreszeitlichen, tรคglichen und kurzfristigen Schwankungen bei PV und Wind beachtet werden.
Ein Augenmerk mรผssen wir auch auf sog. Rebound-Effekten haben: Neue Technologien fรผhren zu Energieeinsparungen, was รผber tiefere Preise dazu verleiten kann, diese Technologien vermehrt einzusetzen! Zudem werden durch einen erfolgreichen CO2-Umbau Erdรถlprodukte weniger nachgefragt werden. Die Erdรถlproduzenten werden darauf wohl mit Preisreduktionen antworten. Das kรถnnte dazu fรผhren, dass manche Staaten billiges Erdรถl fรผr ihre Energieproduktion nutzen. Dieses Problem kann nur international angegangen werden, dabei mรผssen auch die Interessen der erdรถlproduzierenden Lรคnder berรผcksichtig werden.
Wir dรผrfen uns auch nicht generell nur auf den Binnenkonsum konzentrieren. Viele Gรผter werden importiert (z.B. Autos, Batterien). Auch die im Ausland erzeugten Klimagase mรผssen berรผcksichtig werden. Dieses Problem wird z.B. in einem Artikel der Republik [10]Republik, 22.2.2021, Daniel Bรผttler, „Unsere Klimaยญbilanz, zerlegt in Einzelteile“. https://www.republik.ch/2021/02/22/unsere-klimabilanz-zerlegt-in-einzelteile?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=republik%2Ftemplate-newsletter-taeglich-2021-02-22, basierend auf Empa und Bafu-Daten, beschrieben. Dieser Bericht zeigt, unser Treibhausgas-Fussabdruck entlang der gesamten Materialยญkette ist mehr als doppelt so hoch wie die Inlandยญ-Emissionen, die wir gemรคss Klimaยญ-Konvention ausweisen!

Abkรผrzungen …
| BFE | Bundesamt fรผr Energie |
| BAFU | Bundesamt fรผr Umwelt |
| BFS | Bundesamt fรผr Statistik |
| KWh, MWh, TWh, PWh | Wattstunden – eine Masseinheit der Arbeit bzw. der Energie, wird insb. in der Elektrizitรคtswirtschaft verwendet. K=Kilo=1000, M=Mega=1000 K, T=Tera=1000 M, P=Peta=1000 T |
| KJ, MJ, TJ, PJ | Joule – ist im Internationalen Einheitensystem (SI) die Masseinheit der Energie K=Kilo=1000, M=Mega=1000 K, T=Tera=1000 M, P=Peta=1000 T 1 1 Terajoule [TJ] = 0,277โฆ Gigawattstunde [GWh] |
Anmerkungen
| ↑1 | Net Zero oder Netto-Null ist der Punkt, ab dem die menschengemachten Treibhausgasemissionen, einschlieรlich CO2 und Methan, so weit wie mรถglich gesenkt, und alle Restemissionen aus der Atmosphรคre entfernt wurden (z.B. mit Carbon Capture and Storage) |
|---|---|
| ↑2 | Ist- und Soll-Wert sollten beim Referenzzeitpunkt mรถglichst beisammen liegen. In den Datensรคtzen ist der Referenzzeitpunkt jeweils markiert. Falls das Ziel eine Absenkung ist, gilt entsprechend: Fortschritt = (Referenzwert-Ist – Ist-Wert) / (Referenzwert-Ist – Soll-Wert) |
| ↑3 | wobei unter Treibhausgasen nicht nur CO2 Emissionen, sondern auch die Emissionen anderer treibhausaktiver Gase wie CH4, N2O und synthetische Gase eingerechnet werden. |
| ↑4 | Fortschritt > 0.95 -> erfolgreich -> Grรผn; Fortschritt >= 0.5 und <0.95 -> zu langsam -> Gelb; Fortschritt < 0.5 -> viel zu langsam -> Rot; siehe auch Methodik |
| ↑5 | Umwandlungsprozesse erfolgen meist nach logistischen Modellen, siehe dazu Transformationsmodelle |
| ↑6 | Das kรถnnen Elektro-Autos sein oder solche mit einem Wasserstoff- oder E-Fuel Antrieb. Fรผr die CO2 Reduktion ist natรผrlich unabdingbar, dass der benรถtigte Strom nachhaltig erzeugt wird. |
| ↑7 | Fortschritt > 0.95 -> erfolgreich -> Grรผn; Fortschritt >= 0.5 und <0.95 -> zu langsam -> Gelb; Fortschritt < 0.5 -> viel zu langsam -> Rot; siehe auch Methodik |
| ↑8 | NZZ 15.7.2021 |
| ↑9 | Energie [Wh] = Leistung [W] x Zeit [h] |
| ↑10 | Republik, 22.2.2021, Daniel Bรผttler, „Unsere Klimaยญbilanz, zerlegt in Einzelteile“. https://www.republik.ch/2021/02/22/unsere-klimabilanz-zerlegt-in-einzelteile?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=republik%2Ftemplate-newsletter-taeglich-2021-02-22 |