Leider wurden die fรผr 2020 gesetzten Ziele zur CO2-Reduktion bei fossilen Brennstoffen in der Schweiz nicht erreicht [1]. Details der zeitlichen Entwicklung der CO2 Emissionen seit 1990 fรผr Treibstoffe und Brennstoffe sind in der folgenden Grafik dargestellt. Die roten Kreuze zeigen die erforderlichen Reduktionen im Vergleich zu 1990.
Da das gesteckte Ziel verfehlt wurde, steigt die CO2 Abgabe anhand geltender Verordnungen von 96 auf 120 Fr pro Tonne CO2.

Als ich diese Nachricht las, kamen mir einige Fragen in den Sinn: Was bedeutet diese Erhรถhung der Abgabe konkret? Welche Emissionen werden wirklich mit der CO2-Abgabe belegt? Warum ist eine CO2-Abgabe รผberhaupt notwendig?
Bei der Recherche zu diesen Fragen wurde mir klar, dass die Materie schnell komplex wird. Ich habe daher versucht, die wichtigsten Eckpunkte im Folgenden so einfach wie mรถglich zusammenzufassen.
Die CO2-Abgabe (CO2-Steuer) ist ein marktwirtschaftliches Instrument zur Reduzierung der CO2-Emissionen [4], indem der Verbrauch fossiler Energietrรคger verteuert wird. Im Gegensatz zu einer Steuerung รผber Subventionen oder Regulierungen sind damit weniger wirtschaftliche Verzerrungen und Ineffizienzen zu befรผrchten.
Aktuell steigen die Preise fรผr fossile Energietrรคger ja wegen des Krieges in der Ukraine an. Ist damit eine CO2-Steuer noch notwendig?
Es gibt einen entscheidenden Grund, warum wir die CO2-Emissionen langfristig und global „einpreisen“ (d.h. mit einem Preis versehen) mรผssen: Wenn z. B. der รlverbrauch durch verschiedene Maรnahmen tatsรคchlich in der Zukunft gesenkt werden kann, geraten die Produzenten unter Druck, die รlpreise zu senken. Und es wird immer jemanden auf der Welt geben, der dieses billige รl dann verbrennt. Nur eine globale, stabile Einpreisung der CO2 Emissionen kann diesen Rebound-Effekte, d.h. die Unterminierung der Sparbemรผhungen, langfristig verhindern.
Aber wie gross mรผssen diese Steuern pro Tonne CO2 denn sein, damit sie einen Effekt haben? Aktuell geht man davon aus, dass eine solche Steuer mindestens 100 Fr/Tonne CO2 betragen muss, damit sie wirkt [6]. Nun haben wir in der Schweiz diese Marke bereits erreicht. Ist damit in der Schweiz alles Notwendige getan? Leider nein! Die Schweizer CO2-Abgabe deckt lรคngst nicht alle CO2-Emissionen ab, es gibt alternative Steuerungsinstrumente und viele Ausnahmen. Auf der Grundlage von [3] versuche ich, einen groben (aber unvollstรคndigen) รberblick zu geben:
CO2 Abgabe
Seit 2008 wird auf fossilen Brennstoffen wie Heizรถl oder Erdgas eine Lenkungsabgabe erhoben. Betreiber treibhausgasintensiver Anlagen kรถnnen sich von der Abgabe befreien lassen, wenn sie sich im Gegenzug zu einer Emissionsverminderung verpflichten. Betreiber grosser treibhausgasintensiver Anlagen sind ins Emissionshandelssystem eingebunden und sind ebenfalls von der CO2-Abgabe befreit.
Emissionshandelssystem (EHS)
Grosse treibhausgasintensive Industrieunternehmen sind von der CO2 Abgabe befreit und unterliegen dem Emissionshandelssystem (EHS). Die Idee: Es wird eine jรคhrliche, sinkende Obergrenze an neu verfรผgbaren Emissionsrechten im System definiert. Ein Teil der Emissionsrechte wird gratis zugeteilt, ein Teil wird versteigert. Die EHS-Teilnehmer mรผssen jedes Jahr ihre Emissionen mit Emissionsrechten decken. Die Emissionsrechte sind frei handelbar und kรถnnen zur Deckung der eigenen Emissionen verwendet werden oder an andere EHS-Teilnehmer verkauft werden.
Die Anfรคnge des EHS waren nicht sehr erfolgreich, da zu viele Emissionsrechte kostenlos zugeteilt wurden. Inzwischen hat sich die Lage verbessert, die Schweiz ist dem europรคischen System angegliedert und die Luftfahrt wurde ebenfalls integriert.
CO2-Kompensation
Die Idee: Kompensationsprojekte im In- und Ausland, wie z.B. das Anpflanzen von Bรคumen, kรถnnen zu Emissionsverminderungen fรผhren. Oft werden Kompensationen als freiwilliges Instrument z.B. bei Flugreisen eingesetzt.
Treibstoffimporteure in der Schweiz sind verpflichtet, einen Teil der CO2-Emissionen aus dem Verkehr mit Kompensationsprojekten auszugleichen. Leider ist die Wirksamkeit solcher Kompensationen umstritten („Green Washing“). Dieses Instrument sollten nur dann angewendet werden, wenn es keine anderen Instrumente gibt. Was aber beim Autoverkehr nicht der Fall ist.
Diese รbersicht ist stark vereinfacht und in der der Praxis erschweren die vielen Ausnahmen den รberblick (erinnert mich ans unser Steuersystem). Kommt dazu, dass solche Instrumente weltweit eingefรผhrt werden mรผssen. Um einen globalen รberblick zum aktuellen Stand zu erhalten empfiehlt sich die Monitoring-Seite der Weltbank [5], welche leider etwas schwer lesbar ist. Ich bin daher am รผberprรผfen, ob und wie ich entsprechende Informationen รผber die weltweite Entwicklung รผber CO2 Abgaben/Zertifikaten auf meiner CO2 Netto-Null Monitoring-Seite aufnehmen soll?
Quellen:
[1] Preissteigerung: https://www.bfe.admin.ch/bfe/de/home/news-und-medien/medienmitteilungen/mm-test.msg-id-86042.html
[2] CO2 Statistik
https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/klima/zustand/daten/co2-statistik.html
[3] รbersicht der Massnahmen https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/klima/fachinformationen/verminderungsmassnahmen.html
[4] Wikipedia zu CO2 Steuer: https://de.wikipedia.org/wiki/CO2-Steuer
[5] Dashboard fรผr weltweite CO2 Steuern und ETS der Weltbank:
https://carbonpricingdashboard.worldbank.org/map_data
[6] CO2 Preis https://de.wikipedia.org/wiki/CO2-Preis
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