Klimaschutz ungenügend – bitte mehr Kreativität!

Der europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) urteilt, dass die Schweiz zu wenig für den Klimaschutz tut. Die Rechtskommission des Ständerates ruft umgehend öffentlich dazu auf, das Urteil einfach zu ignorieren. – Wir kennen es aus anderen Ländern, dass sich die Politik über die Justiz hinwegsetzt. Wollen wir dies tatsächlich auch bei uns?

Etwas mehr schweizerische Coolness wäre angesagt. Es ist doch im Grunde allen klar, dass wir zu wenig für den demokratisch abgesegneten Klimaschutz tun. Wer sich selber ein Bild machen will, kann dies auf co2nettonull.com tun.

Dabei gibt es auch ohne neue Gesetze genügend Spielraum um mehr zu tun. Wir brauchen bloss etwas mehr Kreativität und Umsetzungsfreude.

Als kleinen Test habe ich mir eine unvollständige, unsystematische Liste möglicher Massnahmen erstellt, die wir gemeinsam sofort angehen können, ja seit langem angehen müssten.

  • Mehr Abkühlung in den Städten. Mehr Grünflächen/Bäume statt Beton und Teer. – Die Realität sieht leider oft noch ganz anders aus.
  • Beim Online-Shoppen die Wahl-Möglichkeit anbieten, sich Päckli mit einem Elektrofahrzeug anliefern zu lassen. – Quickpack und die Post machen es vor.
  • Statt ins Fitness-Zentrum mit dem Bike zur Arbeit. Dazu braucht es sichere und attraktive Radwege, die trotz zahlreicher angenommener Initiativen bis jetzt kaum durchgehend umgesetzt wurden.
  • Das Handy nicht mehr zusammen mit dem Akku wegwerfen. Für alle Produkte: Konsequentes Recycling, geschlossene Materialkreisläufe.
  • Wäsche und Geschirr nicht mehr Nachts sondern am Mittag waschen. Den Strom dann verbrauchen, wenn viel (Photovoltaik-Strom) produziert wird.
  • Das nächste Auto ist ein Elektro-Auto. Verwaltungen schaffen neu nur noch E-Autos an.
  • Der öffentliche Verkehr wird digital: Zug, Bus, e-Taxi, Miet-Velo alles aus der gleichen App. Einfachheit, Komfort und Erlebniswert an oberster Stelle. – Wer packt das an?
  • Bitcoin meiden, energiesparendere Alternativen nutzen wie z.B. Ethereum.
  • In Mehrfamilienhäusern eine Grundinfrastruktur für zeitversetztes Laden der E-Autos einrichten, damit individuelle Ladestationen einfach installiert werden können.
  • Bei der Heizungs-Sanierungen umstellen auf Fernwärme oder lokale Wärmepumpen.
  • Photovoltaik auf Hausdächern, Parkplätzen, Industriebauten konsequent weiter ausbauen. – Gerade auf Hausdächern hat die Ästhetik oft noch Luft nach oben.
  • Abwärme in Rechenzentren konsequent nutzen. Wärmeerzeugung und Wärmerückgewinnung in industriellen Prozessen optimieren → pinch-analyse.ch
  • Internationale Sitzungen, Konferenzen möglichst (auch) online durchführen. Dabei den Erlebniswert steigern und ebenfalls informelle Interaktionen anbieten.
  • Konsumenten und Bauern setzen sich an einen runden Tisch und diskutieren, wie man eine existenzsichernde Landwirtschaft ökologischer und mit weniger CO2 Ausstoss gestalten kann. Gar nicht so unrealistisch, wie agroimpact.ch zeigt.
  • Anwendungsorientierte Energie-Forschung fördern. Der Bauernverband unterstütz seine Mitglieder bei Experimenten zum Ersatz fossil betriebener Fahrzeuge und Geräte auf dem Hof.

Wenn ich mir die Liste ansehe gebe ich dem EGMR recht: das Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft! – Tun wir es doch endlich!

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