Stresstest Energiewende

Die Stromproduktion der Schweiz ist in Zukunft mit mehreren Herausforderungen konfrontiert:

  • Mit steigendem Anteil der Photovoltaik (PV) nehmen die Auswirkungen der tรคglichen und saisonalen Schwankungen der PV-Erzeugung zu, und damit auch der Bedarf an Speichern.
  • Der Stromverbrauch wird aufgrund von eMobilitรคt und Wรคrmepumpen (Winter) zunehmen. Ausserdem werden in den nรคchsten Jahrzehnten die Kernkraftwerke abgeschaltet.

Im vorherigen Bericht โ€œDreamteam Wasserkraft und Solarstromโ€ haben wir gezeigt, ob und wie eine Kombination aus Photovoltaik (PV) und Speicherseen kurzfristige die Stromversorgung sichern kann. Im jรผngsten Bericht „Energiewende im Stresstest“ haben wir den Zeithorizont bis 2030 erweitert.
Studien zeigen, ab 2030 wird es aus mehreren Grรผnden (siehe „Energiewende im Stresstest“) zusรคtzliche Batteriespeicher brauchen. Wir stellten uns daher die Frage: Kรถnnen die Speicherseen die notwendige Speicherfunktion bis 2030 รผbernehmen und bleibt internationaler Stromhandel weiterhin mรถglich?

Um diese Frage zu klรคren haben wir mehrere existierende Energieszenarien bis 2050 miteinander verglichen und ein Modell des Schweizerischen Stromverbrauchs mit Fokus auf Speicherseen erstellt.
Das obige Beitragsbild zeigt beispielhaft das Referenzjahr 2021. Den Bedarf (rechts) und die Produktionsdaten ohne die Speicherseen (links) haben wir fรผr 2021 aus vorhandenen Ist-Daten รผbernommen
Dann haben wir berechnet, wieviel Strom wir aus den Speicherseen brauchen um eine ausgeglichene Bilanz zu erzielen. Dies haben wir fรผr sรคmtliche Monate gerechnet und konnten so den monatlichen Fรผllstand der Speicherseen anhand der natรผrlichen Zuflรผsse und der benรถtigten Verstromung erfassen (siehe Bild unten) und mit der Realitรคt vergleichen.

Fรผr den Test zukรผnftiger Szenarien haben wir ein bereits existierendes Strom-Szenario von Nationalrat Grossen, welches auf der AXPO PowerSwitcher Plattform publiziert ist, im Rahmen dieses Test-Modells durchgerechnet. Analog zu 2021 wurde die fรผr den Bilanzausgleich notwendige Verstromung der Speicherseen anhand dieser Szenario-Daten berechnet. Die Resultate sind in den untenstehenden Bildern sichtbar:

Entwicklung der Speicherseefรผllstรคnde in TWh, ohne Handel

Wir sehen, dass der Fรผllstand der Speicherseen im kritischen April sogar einen leicht hรถheren Wert hat als im Referenzjahr 2021!
Wie im Bericht „Stresstest Energiewende“ im Detail erklรคrt, beinhalt das Szenario Grossen nur minimale Importe und Exporte, keinen eigentlichen Stromhandel. Wir haben daher in einem erweiterten Test die aus dem Jahr 2021 vorhandenen Zahlen der Importe und Exporte dem Grossen-Szenario 2030 รผberlagert. Das Resultat:

Entwicklung der Speicherseefรผllstรคnde in TWh, mit Handel

Der Fรผllstand im April ist hier zwar leicht tiefer, aber immer noch hรถher als 2021. Wir sehen auch, dass die Speicherseen in diesem Szenario im Herbst lรคnger gefรผllt bleiben. – Dies ist natรผrlich keine Vorhersage sondern ein mรถgliches Szenario! Wer sich fรผr die Details und Hintergrรผnde interessiert, sei auf den Bericht „Energiewende im Stresstest“ verwiesen (siehe dort auch „atmende Speicherseen“).

Wir wollten noch einen Schritt weiter gehen. Die Elcom (Elektrizitรคtskommission der Schweiz) hat kรผrzlich Resilienz-Anforderungen an die Stromversorgung im Winter publiziert (22 Tagen ohne Strom-Import im Winter). Wir haben die Szenarien der Elcom mit dem Grossen-Szenario verglichen und gesehen, dass es zum Erfรผllen dieser Vorgaben Erweiterungen des ursprรผnglichen Grossen-Szenarios braucht:

  • Zusรคtzlicher Ausbau: Alpine-PV (1.5-2 GW) , Windkraftanlagen (0.4GW) und eine Fรผllstands-Reserve in den Speicherseen (0.5 TWh).

Wir kรถnnen also festhalten: Das Grossen-Szenario funktioniert bis 2030 trotz den oben skizzierten Herausforderungen mit den bestehenden Speicherseen. Um die erweiterten Resilienz-Bedingungen der Elcom zu erfรผllen braucht es aber einen weiteren Ausbau an Alpiner-PV und Windkraft (oder zusรคtzliche Gaskraftwerke).

Die detaillierte Beschreibungen der Abbildungen, Hintergrรผnde und Quellen befinden sich in „Energiewende im Stresstest“.


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