Elektrifizierung bedeutet Umweltschutz

Bei der Bahn hat sich die Elektrifizierung bewรคhrt und brachte deutlich mehr Umweltschutz. Nach dieser Erfolgsstory geht es nun weiter mit der Elektrifizierung des Autos und der Wohnungsheizungen mit Wรคrmepumpen.

Gegner der Elektrifizierung des Autos betonen immer wieder die Umweltschรคden durch den Abbau von Lithium, Cobalt, Mangan, Graphit, Aluminium und Kupfer fรผr die Batterieproduktion. Die folgende Grafik stellt die Mengenverhรคltnisse ins richtige Licht. Dabei werden der gesamte ร–lverbrauch und der Bedarf an oben genannten Materialien fรผr die Produktion der Batterien wรคhrend der Lebenszeit eines Autos miteinander verglichen: 17โ€™000 L ร–l im Vergleich zu einem Materialblock von 0.38 m x 0.38 m (unten links im Bild)!

Ja, die Produktion von Batterien braucht Materialien, deren Abbau nicht unproblematisch ist und dringend verbessert werden muss (Auflagen fรผr Bergbaufirmen). Aber wenn wir dies ins Verhรคltnis zu den wegfallenden ร–lmengen, deren Umweltschรคden hinlรคnglich bekannt sind (ร–lplattformen die brennen, Tankerunfรคlle, Fracking, Luftverschmutzung, Klimaverรคnderung etc.), dann ist klar, dass es sich hier um ein Scheinargument handelt und die Elektrifizierung zu bedeutend weniger Umweltschรคden fรผhrt.
Allerdings fรผhrt kein Weg an einem Recycling der Batterien vorbei! Obige Zahlen entsprechen einer Recycling-Rate von 70%, wie es das neue EU Recht verlangt. Allerdings sind bereits heute bessere Recycling-Raten machbar. – Versuche mal jemand Erdรถl zu recycelnโ€ฆ
In den nรคchsten Jahren wird das Recycling von Batterien wohl noch kaum im grossen Stil anlaufen. Nachdem die Batterien fรผr den Einsatz im Auto zu viel Kapazitรคt eingebรผsst haben, macht es noch keinen Sinn diese bereits dem Recycling zuzufรผhren. Vielmehr erhalten diese ein sog. „Second Life“, d.h. sie werden regeneriert (defekte Zellen ersetzt) und als Speicher im Stromnetz eingesetzt.

Die Elektrifizierung hat aber noch einen anderen positiven Effekt. Ein Elektromotor ist grundsรคtzlich (Physik) viel effizienter als ein Verbrennungsmotor. Wรคhrend dem ein Elektroauto ca. 65 % der zugefรผhrten Energie in Bewegung umsetzt, sind dies beim Dieselfahrzeug ca. 45% und beim Benziner 30-35 % [1].

Dieser Effizienzgewinn wirkt nicht nur beim Auto sondern auch beim Heizen mittels Wรคrmepumpen. Dies wird dazu fรผhren, dass der Primรคrenergieverbrauch [2] sinken wird. Die nachfolgende Grafik zeigt die mรถgliche Entwicklung des Primรคrenergieverbrauchs der Schweiz bis 2050 anhand eines Szenarios des VSE [3]. Wรคhrend die Importe (insb. von ร–l und Gas) deutlich abnehmen, nimmt die inlรคndisch produzierte Energiemenge zu. Die Summe aber wird deutlich geringer!

Die Energiewende ist sicher komplex und es gibt noch viele offene Fragen. Aber eines ist klar: Elektrifizieren, was vernรผnftig elektrifiziert werden kann!

Reduktion Primรคrenergiebedarf der schweizerischen Energieversorgung durch die zunehmende Elektrifizierung und Steigerung der Energieeffizienz, in TWh/Jahr, . Blau: Import (ร–l, Gas), Rot: inlรคndisch (PV, Biomasse, Wind). Verwendet wurde das VSE-Szenario „Def-Iso“.

PS: Der im CO2 Monitoring der Schweiz verwendete Strombedarf bis 2050 berรผcksichtig den durch die Elektrifizierung des Verkehrs und der Wรคrmepumpen zusรคtzlich benรถtigten Strombedarf.


[1] https://www.tuev-nord.de/de/privatkunden/verkehr/auto-motorrad-caravan/elektromobilitaet/wirkungsgrad, gelesen 26.8.2024

[2] Primรคrenergie = diejenige Energie, die direkt in den Energiequellen vorhanden ist. Primรคrenergietrรคger sind Energietrรคger, die noch nicht umgewandelt wurden โ€“ beispielsweise Stein- und Braunkohle, Erdรถl, Erdgas oder auch Sonnenenergie, Windkraft, Wasserkraft, Erdwรคrme und Gezeitenenergie.

[3] Energieversorgung der Schweiz bis 2050, 2022, VSE


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2 thoughts on “Elektrifizierung bedeutet Umweltschutz

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  1. Wirkungsgrade bei „Dieselfahrzeug ca. 45% und beim Benziner 30-35 %“ sind sehr optimistisch. Diese werden nur im Bestpunkt erreicht. In der Praxis laufen die Motoren oft im Teillastbereich, z.B. in der Stadt. Dann sinkt der Wirkungsgrad in den einstelligen Bereich. Deshalb rechnet man im Durchschnitt mit 15 bis 20 Prozent Wirkungsgrad fรผr Verbrenner.

  2. Strom hat die geniale Eigenschafft, dass die Materialeffizienz bei 100% liegt: Durch einen Kupferdraht kann man 1000 Jahre Strom durchleiten, ohne dass der Kupferdraht dadurch abgenutzt wird (die Isolation geht aus anderen Grรผnden kaputt). Auch Batterien werden nicht „aufgefressen“. Das entsprechende Material mag sich zerlegen und die Batterie funktioniert dann nicht mehr, aber alles Material ist noch da.
    Strom _benutzt_ Ressourcen und _verbraucht_ sie nicht. Das ist der grosse Unterschied zu fossilen Energietrรคgern und die wichtigste Voraussetzung, damit Recycling รผberhaupt funktioniert.

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