Mit dem neuen breit abgestรผtzten Stromgesetzt haben wir uns entschieden, die Erneuerbaren auszubauen und bis 2050 jรคhrlich 45 TWh Strom (ohne Wasserkraft) zu produzieren. In dieser Situation werden der Schweizer Bevรถlkerung von hรถchster Regierungs-Stelle neue AKWs empfohlen.
Gehen wir mal davon aus, zukรผnftige AKWs kรถnnten die Hauptnachteile wie Sicherheitsrisiken, Abfallprobleme und Russland-Abhรคngigkeit lรถsen, und fragen uns: Kรถnnte uns zukรผnftig die Kombination von Photovoltaik und Atomkraft wirklich einen wesentlichen Vorteil bringen?
Um dieser Frage nachzugehen, habe ich anhand eines passenden Energieszenarios der ETH Zรผrich [1] einen typischen Tag im Mรคrz 2050 (21. Mรคrz 2050) ausgewรคhlt. Die Originalgrafik dazu ist unter [1] einsehbar, ich habe fรผr die Ausfรผhrungen daraus eine vereinfachte Skizze erstellt, welche die stรผndliche Produktion รผber einen ganzen Tag verteilt zeigt.

Neben der regelmรคssigen Versorgung mit Strom aus Fliesswasser (blau), Biomass und Wind (grรผn) sind die typischen tageszeitlichen Schwankungen der PV-Produktion (gelb) mit einer Spitze um die Mittagszeit und der fehlenden PV-Produktion Nachts gut sichtbar.
Die Schwarze Linie stellt den Verbrauch dar, welcher jederzeit gedeckt werden muss. Da die Produktion nicht immer reicht, muss die entsprechende Lรผcke (rot gestreifter Bereich) mit Strom aus Speichern wie Pumpspeicher, Speicherseen, Batterien oder Stromimporten ausgeglichen werden.
Wir sehen, dass zur Mittagszeit zu viel PV-Strom produziert wird (gelbe Flรคche รผber der Verbrauchslinie). Dieser kann verwendet werden fรผr das Laden von Speicher oder er muss lokal โabgeregeltโ (d.h. nicht produziert) werden.
Das Tolle daran: Einen Teil der Speicher in Form von Speicherseen und Pumpspeicher haben wir bereits weitgehend gebaut und bezahlt! Kurzfristig wird es um den Ausbau von Batteriespeicher gehen, lรคngerfristig wird es auch noch Saisonale Speicher brauchen. รkonomische und Zuverlรคssigkeit- รberlegungen werden steuern, wieviel Speicher wir im Land selber halten und wieviel Strom/Energie wir importieren um diese Lรผcke zu fรผllen. Ein Vorgehen, welches wir bereits heute in der Energieversorgung und auch der landwirtschaftlichen Produktion kennen.
Was passiert nun, wenn wir in diesem Szenario mit stark ausgebauter PV zusรคtzlich AKWs zubauen?

Auf den ersten Blick sieht es vielversprechend aus. Mittels ca. 6 GW Bandenergie (grau) aus AKWs, kann der benรถtige Speicher- und Import-Bedarf (rot gestreift) betrรคchtlich verringert werden.
Da aber AKWs meist nicht einfach ein- und aus geschaltet werden kรถnnen, muss nun gegenรผber vorher noch viel mehr PV-Energie abgeregelt werden (Blau gestreifte Flรคche รผber dem Verbrauch). Da gleichzeitig der Strombedarf fรผr die zu ladende Speichermenge abnimmt, geht ein grosser Teil der mรถglichen PV-Energieproduktion verloren. Der Betrieb von PV Anlagen wรผrde zunehmend zu einem Verlustgeschรคft, Investoren in die PV-Infrastruktur wรผrden sich betrogen fรผhlen.
Nun wird gesagt, AKWs der zukรผnftigen Generation kรถnnten einfacher ein- und ausgeschaltet werden. Damit kรถnnte man diese nur dann zuschalten, wenn sie benรถtigt werden. Damit produzieren diese aber wรคhrend ihrer Lebensdauer bedeutend weniger Strom als mรถglich ist, die Investitionskosten mรผssten auf weniger Stromproduktion umgelegt werden, d.h. AKWs wรผrden bedeutend teurer als eigentlich geplant.
Wir sehen, die Kombination von AKW und PV sind ein „Poor-Team,“ sie โkannibalisierenโ sich gegenseitig. Ganz anders Speicherseen, PV, Alpine-PV und Wind. Diese ergรคnzen sich gegenseitig zu einem „Dream-Team“, wie Thomas Nordmann und ich in mehreren Berichten aufgezeigt haben.
Dass uns Lobby-Organisationen, Staatstragende Parteien und selbst der Bundesrat diesen Weg trotzdem aufschwatzen wollen, ist eine Augenwischerei, die nur mit Hilfe von Angstmacherei funktionieren kann.
Blackout!
Ja, was ist zu tun, wenn รผber lรคngere Zeit zu wenig Sonne scheint, unsere Speicherseen am Limit sind, Importe nicht mรถglich sind, sei dies wegen einer technischen Panne oder der politischen Situation?
Um solche Extremereignisse abzudecken brauchen wir im Sinne einer Notvorsorge entsprechende Reserve-Kraftwerke, welche mittels leicht lagerbaren, erneuerbaren Brennstoffen (z.B. Methanol) betrieben werden. Diese kรถnnen lokal aus รberschussstrom erzeugt oder importiert werden. Aus Kostengrรผnden werden wir versuchen mit so wenig wie mรถglich davon auszukommen.
Lassen wir uns also nicht beirren, bauen wir weiterhin die PV-Produktion (Dach-PV und Alpine-PV), Windenergie und Batteriespeicher aus, sorgen wir fรผr eine entsprechende Winter-Reservehaltung in den Speicherseen, arbeiten wir im Strombereich mit Europa zusammen und schaffen wir lรคngerfristig (ca. ab 2040) erneuerbare Notvorsorge-Kraftwerke. So kann eine ausreichende Versorgung wirtschaftlich und klimaneutral sichergestellt werden.
Zum Schluss ein Tip: Mit jedem zusรคtzlichen Windrad wird die Energieversorgung der Zukunft zuverlรคssiger (Ergรคnzung PV + Wind) und damit billiger. Dieses „Schnรคppchen“ sollten wir uns nicht entgehen lassen!
[1] nexus-e: ist eine Energie Modellierungsplattform der ETH Zรผrich.
Das verwendete Szenario entstamm einer Forschungszusammenarbeit zwischen dem Energy Science Center der ETH und EIP, der „Energy Infrastructure Partners“, einem Investor mit Themenbereich „Energy Transition“.
Verwendet wurde das Szenario „eip_prevention_renewables“, welches gegenรผber dem ebenfalls vorhandenem Referenzszenario einen erhรถhten Anteil an erneuerbaren Energien hat, insbesondere im Bereich Alpine- und Agri-PV (total 48 TWh Erneuerbare ohne Wasser). Dieses passt zu den Ausbauzielen des Stromgesetztes und beinhaltet 2050 keinen AKW-Strom.
https://nexus-e.org/eip-eth-collaboration-rethink-future-swiss-electricity-supply/

Quelle: Originalbild aus Nexus-e.
Beachte: die Achse „Stรผndliche Erzeugung“ beinhaltet auch negative Werte, damit kรถnnen Ladevorgรคnge von Speichern (hier Pumpspeicher) und neg. Netto-Importe (=Exporte) dargestellt werden.
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