Nun ist es also offiziell, die beiden AKWs Beznau 1 und 2 werden nach ca. 60 Jahren Laufzeit 2032/33 abgeschaltet. Für SVP-Nationalrat Christian Imark scheinbar eine gute Gelegenheit, das Thema Versorgungssicherheit in den Fokus zu rücken (Blick vom 5.12.24). – Finde ich auch!
Nationalrat Imark sieht mehrere Probleme beim Ausbau der Solar- und Wasserkraft, wie etwa «Einsprachen, zu wenig Grundlast im Winter, Überlast an Sommertagen, Risse in Solarpanels.»
Was davon zu halten?
Nun, vor Rissen in Solarpanels habe ich bedeutend weniger Bedenken als vor Rissen in überalterten AKWs. Auch eine Überlast im Sommer macht mir kaum Sorge, die kann man abregeln oder noch besser die überschüssige Energie speichern. Ein ernst zu nehmender Punkt ist sicher “Zu wenig Grundlast im Winter”. Damit soll darauf angespielt werden, dass wir neue AKW’s brauchen, welche dauerhaft eine gleiche Menge Energie produzieren können (sog. Grundlast-Kraftwerke).
Aber neue AKWs sind nicht die richtige Antwort auf unser Problem!
Wir haben uns mit dem neuen Stromgesetz für den Ausbau der Photovoltaik entschieden und wir wissen, dass die Stromproduktion von Photovoltaik und Wind schwankend ist. Um trotzdem jederzeit den Verbrauch abdecken zu können, brauchen wir dazu passende Technologien, die sich ebenfalls dynamisch den sich ändernden Bedingungen anpassen können. AKW’s sind keine Antwort darauf, Details dazu unter: https://co2nettonull.com/2024/10/04/poor-team-atomkraft-photovoltaik/.
Aber welche anderen Möglichkeiten gibt es, diesen dynamischen Ausgleich zu realisieren um eine sichere Winterversorgung in Zukunft sicherstellen?
Thomas Nordmann und ich haben in mehreren Berichten untersucht, wie man das „Dreamteam“ Photovoltaik und unsere bestehenden Speicherkraftwerke gemeinsam dafür einsetzen kann:
- 2022 Dreamteam Wasserkraft und Solarstrom: Wie sich der Ausbau der Photovoltaik und die Speicherseen kurzfristig koppeln lassen.
- 2023 Stresstes Energiewende: Wie die Versorgungssicherheit auch für die nächsten 10 Jahre gewährleistet werden kann, in denen die Kernkraftwerke Beznau 1 und 2 abgeschaltet und die Elektromobilität ausgebaut wird.
- 2024 Dreamteam II: Wie wir mittels Zubau der Alpiner-PV und der Windkraft bis kurz vor 2040, also vor der geplanten Abschaltung der letzten beiden AKWs, auch eine längere Solarflaute überstehen können.
Grundlage unserer Berichte ist eine etwas veränderte Sichtweise auf unsere Speicherseen. Diese sollen nicht prioritär für den Export genutzt werden, sondern als „Vorratsspeicher“ zusammen mit der Photovoltaik primär unsere Versorgungssicherheit gewährleisten. Wir stellen erfreut fest, dass sich diese Sichtweise immer stärker durchsetzt. So wurde kürzlich die Studie “Stresstest-Energiewende” im Tagesanzeiger referenziert (Tages Anzeiger, 5.12.2024, Gibt es ohne das AKW Beznau zu wenig Strom?) und “Dreamteam Wasserkraft und Solarstrom” wurde in der neuen Roadmap von Nationalrat Grossen verlinkt.
Aber wir müssen noch weiterdenken, 2050 werden auch die letzten AKW’s abgeschaltet sein. Dann werden wir sog. saisonalen Speicher brauchen, der überschüssigen Strom im Sommer für den Winter speichern kann. Aktuell arbeiten wir an einem Bericht zur Frage, wie gross die Menge dieses Saisonalen Speichers im Jahr 2050 sein muss und welche Technologien zu welchen Preisen dafür in Frage kommen. Demnächst in diesem Blog…
Allerdings haben die Kritiker des Solar/Wind-Weges in einem Punkt recht: Basis für den Erfolgs einer nachhaltigen Energieversorgung ist, dass die Photovoltaik tatsächlich gemäss dem neuen Stromgesetzt ausgebaut wird. Dabei spielen die Alpine-PV und die Windkraft, die auch bei Solarflauten zur Verfügung steht, eine zentrale Rolle. – Da wirkt es wenig glaubwürdig, wenn Herr Imark die vielen Einsprachen beklagt und die SVP gleichzeitig fleissig mitmischt gegen den Ausbau der Windkraft.
Und wie steht es konkret um den aktuellen Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion? Darauf gibt uns ein Blick auf CO2 Monitoring eine Antwort:

Abbildung 1: Auszug aus dem CO2 Monitoring
Wir können in der Grafik erkennen, dass der aktuelle Trend des Ausbaus (schwarz gestrichelt) zwar durchaus exponentiell wächst, die Soll-Werte (gelbe Kurve) aber (noch) nicht erreicht werden.
Die Grundlagen sind mit dem neuen Stromgesetz gelegt, nun müssen ALLE (Bürgerinnen und Bürger, Firmen, Verbände aus Wirtschaft, Umweltschutz, Naturschutz, Heimatschutz, der Staat, die Politik) “in die Gänge kommen”, damit es mit dem Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion vorwärts geht. Nur so können wir erreichen, dass die grundsätzlich ungeeigneten und risikoreichen AKWs nicht eine Renaissance erleben.
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