Autor: Jรถrg Hofstetter –
Kรผrzlich hat das Bundesamt fรผr Umwelt die Zahlen der Treibhausgasemissionen der Schweiz fรผr 2023 publiziert.
Wie im aktualisierten CO2-Monitoring (oder der obigen Grafik) gut sichtbar wird, konnte 2023 eine leichte Reduktion der Treibhausgas-Emissionen gegenรผber dem Vorjahr erreicht werden. Das Soll-Ziel fรผr 2023 (gelbe Linie) wurde leider verfehlt und der berechnete, jรคhrliche „Fortschritt“ hat sich leicht verschlechtert (โ halb leer).
Aber immerhin, die aus den Ist-Werten ermittelte Trendkurve (blaue Linie) kรถnnte fรผr 2050 noch ins Ziel fรผhren (โ halb voll).
„Anstieg oder Rรผckgang? Die Bilanz der Treibhausgase sorgt fรผr Irritation.„
So titelte am 28.4.2025 der Tages-Anzeiger [1]. Darin wird der WWF zitiert, der darauf hinweist, dass die offiziellen Zahlen des Bundesamtes den Bereich der sog. โLandnutzungโ nicht berรผcksichtig. Dieser umfasst die Waldwirtschaft, den Ackerbau, die Graswirtschaft sowie die Nutzung der Moore. International wird dieser Bereich etwas โgeheimnisvollโ als LULUCF (โLand Use, Land Use-Change and Forestryโ) bezeichnet. Rechnet man diesen Bereich mit ein, wรคren 2023 die Treibhausgas-Emissionen gegenรผber 2022 tatsรคchlich gestiegen.
Es ist grundsรคtzlich richtig, dass gemรคss Pariser Abkommen die Landnutzung ebenfalls eingerechnet werden muss. Allerdings gibt es keine genauen Vorschriften wie diese zu erfassen sind und die Erfassung ist nicht trivial. Primรคr der Wald speichert CO2, die anderen Bereiche hingegen produzieren tendenziell Klimagase. In den letzten Jahren war die Summe dieser Effekte meistens negativ, d.h es wurde im Endeffekt CO2 aus der Atmosphรคre entnommen! Aber 2023 wurden mehr Klimagase erzeugt als absorbiert. Dies kรถnnte (Spekulation) damit zusammen hรคngen, dass aktuell die Speicherwirkung des Waldes abnimmt.
Genaue Aussagen sind aber momentan noch verfrรผh, die entsprechenden Zahlen fรผr die Landnutzung schwanken รผber die Jahre hinweg relativ stark. Daher habe ich, analog dem Bundesamt, in meinem CO2-Monitoring den Bereich Landnutzung nicht berรผcksichtig. Die entsprechenden Schwankungen wรผrden die jรคhrlichen Verรคnderungen der anderen Bereiche รผberdecken.
Aber es ist schon richtig, spรคtestens bei der Zwischenbilanz fรผr 2030 muss dieser Bereich, geglรคttet รผber mehrerer Jahre, ebenfalls einberechnet werden. Wir wissen heute noch nicht, ob dabei bei der Landnutzung eine negative (Speicherung) oder positive (Emission) Zahl heraus schaut.
Viel schwerer wiegt da die Tatsache, dass aktuell in den Zahlen des Bundes die internationalen Flรผge aus der Schweiz noch nicht eingerechnet werden und die Flugbewegungen wieder munter wachsen. Dies ist deshalb besorgniserregend, weil heute noch nicht klar ist, wie der Flugverkehr dereinst klimaneutral werden soll. Da irritiert es ganz besonders, wenn Sustainable Switzerland, die Nachhaltigkeitsinitiative der NZZ, z.B. titelt: โWusstest du, dass Fliegen nicht die umweltschรคdlichste Reiseart istโ? [2] – Na ja…
[2] https://sustainableswitzerland.ch/mediathek
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Vielleicht ist das Glas auch um einen Faktor 2 รผberdimensioniert?
Wie ist dies zu verstehen?
Die durch das Militรคr verursachten Emissionen werden auch nicht einberechnet. Mein Garten liegt in der Sรผdheide. Truppenรผbungsplรคtze (Munster, Bergen) und Rheinmetall im Umkreis von 30 km. Ich kann nur sagen, dass da einiges an Emissionen zusammenkommt. Wenn all das in die Berechnungen nicht einflieรt (ganz zu schweigen von den Kriegen und den spรคteren Wiederaufbau (Beton!) muss sich niemand wundern wenn wir 2,5 Grad Erwรคrmung noch vor 2050 erreichen..
Zumindest in der Schweiz werden die CO2 Emissionen des Militรคrs eingerechnet. Nicht gelรถst (analog internationalen Flรผge) sind internationale Truppenรผbungen. Sowohl im Kyoto-Protokoll von 1997 als auch im Pariser Abkommen von 2015 wurde die Berichterstattung รผber militรคrische Emissionen im Ausland (!) ausgeklammert. Begrรผndet wird dies damit, dass Daten รผber den Energieverbrauch die nationale Sicherheit der betroffenen Staaten gefรคhrden kรถnnten.
In der Schweiz wurden auch entsprechende Reduktionsziele fรผr das Militรคr festgehalten. Gemรคss meinen Informationen betreffen dies insb. Gebรคudesanierungen (Isolation und PV bei Truppenunterkรผnften).
Damit will ich keineswegs davon ablenken, dass Kriege, neben schrecklichen Verlusten an Menschenleben, auch eine รถkologische Katastrophe darstellen.
Danke fรผr die Prรคzisierung. ๐๐๐
Eine kurze Nachfrage bei tschรคtt dschipiti konnte dies auch fรผr Deutschland bestรคtigen.
Die Nutzung der Truppenรผbungsplรคtze durch internationale Truppen ist seit dem Abzug der Alliierten zwar stark zurรผckgegangen, dafรผr haben aber die Auslandseinsรคtze der Bundeswehr stark zugenommenโฆ
Laut Tschรคtt Dschipiti betrugen die CO2 Emissionen durch Militรคr in Deutschland (ohne Auslandseinsรคtze) in 2022 nur 1,77 Millionen Tonnen CO2 รquivalente, ein Anteil von unter 1% der Gesamtemissionen. Das hรคtte ich doch wesentlich hรถher eingeschรคtzt. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich hier sehr viel davon hรถre und seheโฆ