Das Sonntagszeitungs-Interview mit dem Titel „Man kann ein Land durch falsche Entscheidungen ruinieren“ mit Prof. Zรผttel von der EPFL zum Thema Klimaschutzgesetz hat Staub aufgewirbelt. (Link auf den Artikel siehe unten).
Wer will schon sein Land ruinieren indem er dem Klimaschutzgesetz zustimmt? Was tun, wenn uns ein renommierter Forscher der EPFL davor warnt? – Schauen wir mal im Detail, welche Zweifel Prof. Zรผttel beim Klimaschutzgesetz vorbringt.
„forcierte Umstieg auf Wรคrmepumpen und E-Autos problematisch. Das Klimaschutzgesetz kรถnne kontraproduktiv sein“
„Wir sollten zuerst die fossilen Energietrรคger durch erneuerbare Energie ersetzen und dann die Anwendungen an die Verfรผgbarkeit der Elektrizitรคt anpassen, um zu vermeiden, fossil betriebene Kraftwerke bauen zu mรผssen.“
„Wenn man Elektroautos mit Strom aus dem Kohlekraftwerk lรคdt, dann hat man nichts gewonnen.“
Prof. Zรผttel stรถrt sich also an der Reihenfolge der Massnahmen: Zuerst neue Technologien, dann erst die Stromproduktion. Da bin ich vรถllig mit ihm einverstanden. Aber weder verlangt dies das Gesetz, noch wรคre es eine Folge davon. Beides MUSS selbstverstรคndlich in einem lรคngeren Prozess Hand in Hand gehen! Dieser Prozess ist auch bereits im Gange, wie man z.B. beim Ausbau der Photovoltaik sehen kann (siehe dazu mein jรคhrliches Update des CO2 Monitorings auf co2nettonull.com).
Konkret zum Beispiel E-Autos: Natรผrlich sind diese erst dann wirklich klimaneutral, wenn der Strom, aber auch das Auto selber und die Batterien klimaneutral erzeugt werden. Dies kann aber nicht auf einen Schlag erfolgen, vielmehr braucht es einen lรคngeren Umbauprozess (Studien zeigen รผbrigens, dass e-Autos bei heutigen CH-Strommix bereits CO2 einsparen). Ich habe dazu in einem Modell den Umbau zur E-Mobilitรคt durchgerechnet. Weil wir z.B. nicht einfach fossile Autos vorzeitig einstampfen kรถnnen und wollen, dauert ein solcher Umbau bis ca. 2045.
Die obigen Kritikpunkte von Prof. Zรผttel muten auf den ersten Blick damit etwas naiv an. Nun, naiv dรผrfte er nicht sein, da steckt wohl eher eine energiepolitische Agenda dahinter.
Weiter im Text:
„Mich stรถrt einerseits, dass das Gesetz viel vorschreibt, ohne aber die Lรถsung fรผr die wirklichen Probleme anzugehen. So fehlen unter anderem die saisonalen Speicher und die Adaption an den Klimawandel, zudem wird auch zukรผnftige Kernkrafttechnologie verboten“.
Jetzt wird es richtig polemisch, denn:
– Das Klimaschutzgesetz beinhaltet KEIN Verbot der Kernkrafttechnologie.
– Das Gesetz legt richtigerweise Ziele fest und nicht wie diese im Detail erreicht werden. Alles andere wรคre auch unvernรผnftig. Ein Gesetz kann niemals die konkrete Umsetzung eines Projektes bis 2050 festlegen.
– Zรผttel kritisiert, dass die saisonalen Speicher fehlen. In allen Energieszenarien ist klar, dass es solche braucht, aber erst etwa ab 2040! Im heutigen Klimaschutzgesetz dazu konkret etwas auszusagen wรคre eher fahrlรคssig.
Insbesondere mit dem letzten Zitat von Zรผttel wird definitiv klar: Hier spricht nicht ein engagierter, besorgter Forschergeist sondern dahinter steckt eine klare energiepolitische Agenda. Dies ist nicht weiter รผberraschend, auch Forschungsberichte aus der Feder von Prof. Zรผttel sind diesbezรผglich berรผchtigt. So eine Studie zu den Kosten des Energieumbaus, die auf totaler Autarkie der Schweiz basiert. Lรคngst ist Fachleuten klar, dass absolute Autarkie kaum bezahlbar ist, sowenig wie eine autarke Landwirtschaft. Die Schweiz ist auf Handel angewiesen. Trotzdem ist diese Argumentation bei der SVP auf fruchtbaren Boden gefallen…
Wer andere Stimmen aus der Forschung zum Thema hรถren mรถchte:
- Stellungnahme Hochschulforschende zum Klimaschutzgesetz
- Peter Richner, Head of Department Engineering Science der EMPA
- Tagi(Paywall): Die Halbwahrheiten der SVP
Fazit:
– Wir lassen uns nicht durch vorgetรคuschte Wissenschaftlichkeit verunsichern.
– Die Abstimmung ist noch keineswegs gewonnen, engagieren wir uns weiterhin aktiv auf allen Ebenen dafรผr (https://klimaschutzgesetz-ja.ch/)!
Link auf den Artikel vom 6.5.2023: https://www.tagesanzeiger.ch/interview-klimaschutzgesetz-schweiz-energie-wird-deutlich-teurer-wenn-wir-erdoel-erdgas-und-akw-strom-ersetzen-244837722371
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