Neben den direkt in der Schweiz emittierten Treibhausgasen verursacht auch der internationale Handel Treibhausgasemissionen. Die Schweiz weist einen CO2-Nettoimport auf, der dreimal grรถsser ist als die direkt im eigenen Land emittierten Emissionen. Wie kรถnnen wir den CO2-Import beeinflussen?
Im CO2 Monitoring vergleiche ich jรคhrlich die aktuellen CO2-Emissionen der Schweiz mit den offiziellen Zielwerten fรผr den CO2 Abbau. Bei diesen Zahlen handelt es sich um produktionsbedingte Werte, d.h. die Emissionen werden dem Land zugewiesen, in dem die Produkte hergestellt werden. Eine andere Sichtweise ist die konsumbedingte, d.h. die Emissionen werden dem Land zugeordnet, in dem das fertige Produkt verwendet wird. Die Erfassung dieser konsumbedingten Emissionen ist komplex. Eine neue Studie der Firma Ecoplan รผber den โEinfluss von Handel auf Treibhausgasemissionenโ [1] hat dies im Auftrag des Seco (Schweizerisches Staatssekretariat der Wirtschaft) kรผrzlich gemacht. Dabei zeigt sich, dass die konsumbedingten Emissionen der Schweiz etwa dreimal grรถsser als die produktionsbedingten Emissionen sind. Der Grund liegt im Aussenhandel. Die Schweiz, die viele CO2 intensive Produkte wie z.B. Pharma- und Chemieprodukte importiert, ist ein Nettoimporteur von Treibhausgas-Emissionen!
Wรคhrend die Schweiz zwischen 2004 bis 2017 die produktionsbedingten Emissionen um rund 8 % reduzieren konnten, sind die konsumbedingten Emissionen nur um 1 % zurรผckgegangen. Die inlรคndischen Reduktionen wurden also weitgehend durch die Nettoimporte „aufgefressen“.
Was bedeutet dies nun fรผr die in der Schweiz definierten, produktionsbedingten CO2 Reduktionsziele, sind diese damit nutzlos? – Keinesfalls! CO2 Netto-Null bis 2050 ist ein globales Ziel, welches nur erreicht wird, wenn in allen Lรคndern bei der Produktion Netto-Null erreicht wird. Wir kรถnnen uns allerdings bei importierten Produkten nicht einfach aus der Verantwortung ziehen und hoffen โdie anderenโ werden es schon richten fรผr uns. Doch was kรถnnen wir konkret tun?
Theoretisch kรถnnte durch Importquoten oder gar Importverbote fรผr emissionsintensive Gรผter wie z.B. Stahl, Zement und Pharmaprodukte reagiert werden. Die damit verbundenen volkswirtschaftlichen Kosten wรคren aber enorm. Wirtschaftlich und politisch lรคsst sich dies kaum umsetzen.
Die zitierte Ecoplan-Studie zeigt, dass ein weltweit einheitlicher Treibhausgaspreis die beste Methode darstellen wรผrde. Alle Produzenten hรคtten einen finanzielle Anreiz um auf CO2 Emissionen zu verzichten und wรผrden dies aus eigenem Interesse umsetzen. Realitรคt ist aber, dass unterschiedliche Lรคnder unterschiedliche klimapolitische Ziele und Massnahmen haben, was unterschiedliche CO2-Preise zur Folge hat. Dies wรผrde zu Produktionsverlagerungen von Lรคndern mit hohen CO2 Preisen in Lรคnder mit niedrigen Preisen fรผhren!
Einen pragmatischen Ausweg bietet die sogenannte โClub-Lรถsungโ des Nobelpreistrรคgers William Nordhaus [2]: Lรคnder mit gleichen CO2 Preisen schliessen sich zu einem Club zusammen. Wer nicht dem Club angehรถrt, muss beim Import in den Club einen Strafzoll bezahlen. Es gibt verschiedene Mรถglichkeiten, so etwas umzusetzen. Die EU ist dabei, einen solchen Grenzausgleichsmechanismus mit Namen CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) einzufรผhren. Leider ist die Schweiz in dieser Hinsicht noch zรถgerlich – es fรผhrt aber schlussendlich kein Weg daran vorbei. Auf das „Lieblingsinstrument“ der Schweiz, die Subventionen, kรถnnen wir in diesem Fall nicht zรคhlen!
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Quellenangaben:
[1] Ecoplan/Seco, Einfluss von Handel auf Treibhausgasemissionen, 2024 https://www.seco.admin.ch/seco/de/home/Publikationen_Dienstleistungen/Publikationen_und_Formulare/Aussenwirtschafts/Globalisierung/wp_49.html
[2] Johannes Eber, Wie bekรคmpft man den Klimawandel erfolgreich, 2021 https://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=29914 Beschreibung der Grรผndung eines Klubs gemรคss William Nordhaus
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