Droht in Zukunft wegen der Energiewende ein Blackout? Wie wird es mรถglich sein, die Stromproduktion bei einer ausgeprรคgten Dunkelflaute und einem Unterbruch der Stromimporte auch ohne Kernkraftwerke stabil zu halten?
Bernhard Suter und ich haben in einem gemeinsamen Bericht aufgezeigt, wie dies mit der Bereitstellung von entsprechender Reserveenergie mรถglich wird.
Doch der Reihe nach: Fรผr den Ausgleich der tรคglichen Tag/Nacht-Schwankungen von Photovoltaik (PV) und Wind sind unsere Pumpspeicherkraftwerke und zunehmend auch Batterien hervorragend geeignet. Die saisonalen Schwankungen (Winter/Sommer) kann die Schweiz dank ihrer Speicherseen ausgleichen. Diese werden im Sommer und Herbst durch natรผrliche Zuflรผsse gefรผllt und gewรคhrleisten so in den Wintermonaten einen kontinuierlichen Ausgleich.
Diese Zusammenhรคnge zeigen uns im Detail auch zwei ETH-Stromszenarien der Schweiz, die einerseits den Ausbau der Erneuerbaren bis 2050 modellieren und andererseits auch den zu erwarteten Mehrverbrauch durch E-Mobilitรคt und Wรคrmepumpen berรผcksichtigen. Sie zeigen uns, dass die Speicherseen bis Ende Winter weitgehend geleert sind und, wie heute schon, durch Importe ergรคnzt werden.
Thema Stromimporte: Ein europรคischer Stromausgleich ist sowohl รถkonomisch als auch รถkologisch sinnvoll โ insbesondere vor dem Hintergrund des Ausbaus der Erneuerbaren. Erst dadurch kรถnnen sich die unterschiedlichen Klimazonen in Europa bezรผglich PV und Wind optimal ergรคnzen.
Auf diesen Ausgleich zu verzichten, wรคre mit hohen Kosten verbunden.
Dennoch muss wohl jedes Land weiterhin eigene Reservestrategien fรผr besondere Situationen โ wie Dunkelflauten oder Importunterbrechungen โ bereithalten.
In unserem Hintergrund-Bericht untersuchen wir, welche Auswirkungen das folgende fiktive Extrem-Szenario auf die Energieversorgung in der Schweiz im Jahr 2050 haben wรผrde:
- Im Februar 2050 herrscht aufgrund anhaltend schlechter Wetterbedingungen eine 14-tรคgige absolute Dunkelflaute, bei der keine Energie aus Photovoltaik (inklusive alpiner PV) und Windkraft erzeugt wird.
- Gleichzeitig ist aufgrund derselben Wetterlage in ganz Europa รผber einen Zeitraum von 22 Tagen in der Schweiz kein Stromimport mรถglich.
Bereits in den โDreamTeamโ-Berichten wurde gezeigt, dass die Kombination von Speicherseen, PV, Alpiner-PV und Wind auch grรถssere Produktions-Lรผcken รผberbrรผcken kann. Allerdings wurde auch sichtbar, dass ca. ab 2040, wenn die letzten AKWโs abgeschaltet sind, Reserveenergie durch geeignete saisonale Speicher wie etwa eFuels, Biogas oder รคhnliche Technologien bereitgestellt werden muss.
Basierend auf den Daten der oben erwรคhnten ETH-Szenarien fรผr das Jahr 2050 haben wir mit Hilfe einer eigenen Simulation der Stausee-Nutzung analysiert, wie viel Reserveenergie zur รberbrรผckung eines solchen Ereignisses tatsรคchlich benรถtigt wรผrde.
Unser Resultat: Es werden ca. 2 TWh Reserve-Energie gebraucht.
Zum Vergleich: unsere Speicherseen haben Anfangs Winter einen Energieinhalt von ca. 8.8 TWh.
Der Bericht zeigt auch, dass die Bereitstellung dieser Reserveenergie รถkonomisch machbar ist.
Da diese Reserveenergie nur alle paar Jahre, bei Eintritt eines ausserordentlichen Ereignisses, benรถtigt wird, steht die einfache und kostengรผnstige Speicherung der Energie, bzw. des Betriebsstoffes, auch รผber lรคngere Zeitrรคume (Monate/Jahre) hinweg im Fokus. In Frage kommen verschiedene erneuerbare Brennstoffe. Batterien sind nicht geeignet, da ihre Wirtschaftlichkeit pro kWh produzierter Energie nur dann gewรคhrleistet ist, wenn sie hรคufig geladen und entladen werden. Welche Technologie sich ab 2040 tatsรคchlich durchsetzen wird, ist derzeit noch unklar. Eine ausfรผhrlichere Diskussion zu mรถglichen Technologien wird in einem spรคteren Bericht folgen.
Fazit: Auch in einer vollstรคndig erneuerbaren Energieversorgung mรผssen wir โ wie heute mit dem Pflichtlager fรผr รl und Gas โ Vorsorge fรผr auรergewรถhnliche Situationen treffen. Dazu sind in der Schweiz, abhรคngig von der weiteren Entwicklung der Erneuerbaren, etwa 2 TWh an saisonalem Speicher erforderlich. Diese Menge ist sowohl technisch realisierbar als auch wirtschaftlich tragbar.
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Da ein solches Ereignis nur alle paar Jahre eintrifft, wรคre es vielleicht gรผnstiger, man wรผrde Grossverbraucher dafรผr entschรคdigen, wenn sie in einem solchen Fall ihre Produktion herunterfahren. Da man Dunkelflauten einige Tage voraussagen kann, wรคre dies auch organisatorisch zu meistern.
Hat man diese Mรถglichkeiten bei der Simulation auch betrachtet?
Grundsรคtzlich haben wir ermittelt, wie viel Energie bei einem solchen Ereignis fehlt. Dank unserer Speicherseen gibt es die Mรถglichkeit, die Reserveenergie auch etwas verzรถgert einzubringen.
Und sie haben recht, die fehlende Energie kann auch durch Verbrauchsreduktionen kompensiert werden (oder Kombinationen)
Wir wollten bewusst nicht einen speziellen Weg bevorzugen, sondern aufzeigen, das es Lรถsungen gibt (was im Blog etwas zu kurz kommt).