Blackout stoppen – auch ohne AKWs

Autoren: Bernhard Suter, Jรถrg Hofstetter

Mit konsequenter Elektrifizierung (Wรคrmepumpen, E-Mobilitรคt) wird bis 2050 der netto Stromverbrauch von heute ca. 60 TWh auf ca. 80TWh gestiegen sein. Darรผber besteht ein ziemlich klarer Konsens zwischen vielen Quellen.

Wir werden vermutlich schon bald im Sommer einen signifikanten Stromรผberschuss haben. Fรผr Analysen zur Versorgungssicherheit ist daher nur das Winterhalbjahr relevant, das heisst fรผr 2050 ein Stromverbrauch im Winterhalbjahr von ca. 45 TWh.

Davon deckt die Wasserkraft heute schon ca. 15 TWh ab (Quelle), inklusive einem Wasserkraft Speicherpotential von 8-10 TWh (heute 8.8 TWh), welches die Stromversorgung kurz bis mittelfristig jederzeit ausbalancieren kann.

Es besteht also noch ein Bedarf fรผr ca. 30 TWh oder ca. 5 TWh pro Monat, welche dank der Flexibilitรคt der Speicher-Wasserkraft mehr oder weniger beliebig [1] Produktion muss jederzeit geringer sein als Last minus Minimalproduktion der Wasserkraft. Siehe auch hier produziert und eingespeist werden kรถnnen.

Es gibt unterdessen viele Vorschlรคge fรผr Szenarien, wie sich die Stromversorgung der Schweiz bis 2050 entwickeln kรถnnte. Einige davon sind auf dem Axpo Power Switcher zu sehen und wir haben auch einige hier in Detail analysiert.

Im Allgemeinen basieren diese Szenarien auf einer Mischung aus heimischer Produktion und Importen, wobei die Mischung je nach Szenario unterschiedlich ausfรคllt.

Aufgrund unserer Analysen glauben wir, dass der Schlรผssel zu einer langfristig zuverlรคssig und sicheren Stromversorgung der Schweiz auf der Balance von erneuerbarer Eigenproduktion, Importen und einer neuen strategischen Reserve mit inlรคndischem Lager an erneuerbaren Brennstoffen beruht. (Siehe obenstehende Illustration.)

Viele der Szenarien basieren auf signifikantem Zubau von erneuerbarer Stromproduktion รผber die nรคchsten Jahrzehnte. Unbestritten ist vor allem der Ausbau von Solaranlagen auf bestehender Infrastruktur, wie z.B. Dรคcher, Parkplรคtze, Autobahnen oder Industrieanlagen. Fรผr die Winterstromproduktion besonders wichtig sind der Ausbau von Windkraft, alpinen PV Anlagen oder generell PV Anlagen mit steiler oder vertikaler Ausrichtung. Die Vermeidung oder Verschiebung von Energieverbrauch im Winter, z.B. durch Gebรคudeisolation oder saisonale Wรคrmespeicher tragen indirekt auch zur Erhรถhung des Selbstversorgungsgrades bei.

Strom zu importieren, wenn anderswo gerade รœberschuss herrscht, kann wirtschaftlich sehr attraktive sein. Unsere Nachbarlรคnder, die aggressiver in Windkraft investieren, werden vermutlich gerade im Winter wรคhrend stรผrmischen Nรคchten รถfters รœberschรผsse produzieren, die zu gรผnstigen Preisen importiert werden kรถnnen. Importe im grossen Stil erfordern einen Fokus auf grenznahe und grenzรผberschreitende Transmissionskapazitรคt, eventuell langfristige Liefervertrรคge mit auslรคndischen Produktionsanlagen und generelle gute Handelsbeziehungen mit unseren Nachbarlรคndern.

Falls in besonderen Situation die zusรคtzliche erneuerbare Produktion und die Importe den Bedarf nicht decken, so kรถnnen Reservekraftwerken die Versorgung sicherstellen. Diese sollten ausreichend auf inlรคndische Lager an erneuerbaren Brennstoffen zugreifen kรถnnen, falls Importwege abgeschnitten oder eingeschrรคnkt sind. Die Reserveleistung kann auf verschiedene Arten bereitgestellt werden – von grossen, zentralen Gaskraftwerken, Notstromaggregaten bis zu dezentralen Heizzentralen mit Kraft-Wรคrme-Kopplung. Es kann dabei auch ein Mix an Speichermedien und Speichertechnologien zum Einsatz kommen.

Im diesem Bericht habe wir gezeigt, dass besonders mit der Lagerung von erneuerbaren flรผssigen Brennstoffen zur Verstromung in Gaskraftwerken die Investitionskosten im Vergleich zu den Brennstoffkosten sehr tief sind. Dies ist besonders wichtig fรผr Anlagen, die selten bis nie benutzt werden sollten.

Einheimische Produktion bietet sicher die grรถsste Unabhรคngigkeit in Krisenzeiten. Fรผhren aber Importe wirklich zu mehr Auslandsabhรคngigkeit wenn jederzeit Reservekraftwerke zum Ersatz bereitstehen?

Die Verbindung der drei Pole Erneuerbare Produktion, Strategische Reserve und Importe  bieten zusammen mit den Speicherseen viel Handlungsspielraum und Robustheit. Diese erlaubt uns eine Energiepolitik mit ambitionierten Zielen zu haben ohne dadurch die Versorgungssicherheit aufs Spiel zu setzen.

Anmerkungen

Anmerkungen
1 Produktion muss jederzeit geringer sein als Last minus Minimalproduktion der Wasserkraft. Siehe auch hier

Entdecke mehr von CO2 Netto-Null bis 2050

Melde dich fรผr ein Abonnement an, um die neuesten Beitrรคge per E-Mail zu erhalten.

2 thoughts on “Blackout stoppen – auch ohne AKWs

Add yours

  1. Danke. Ein Artikel in dem es sich lohnt, allen Verlinkungen von Quellen und Untersuchungen nachzugehen. Gerne im Abo ๐Ÿ™‚

Kommentar verfassen

Bereitgestellt von WordPress.com.

Up ↑

Entdecke mehr von CO2 Netto-Null bis 2050

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen