Autor: Jรถrg Hofstetter –
Auf den ersten Blick wirkt es, als habe sich die Schweiz 2024 bei der Zielerreichung COโ Netto-Null kaum vom Stand von 2023 entfernt. Doch bei genauerem Hinsehen wird klar: Die Flaute beim Ausbau von Windkraft und alpiner Photovoltaik hat sich โ trotz politischer Weichenstellungen โ weiter verfestigt.
Werfen wir einen Blick auf die neu verรถffentlichten, amtlichen Daten fรผr den erneuerbaren Stromverbrauch und die nachhaltige Wรคrmeerzeugung fรผr 2024 (siehe auch co2nettonull.com).


Bei der erneuerbaren Stromproduktion (ohne Wasserkraft) fรคllt auf, dass das Ziel der Gesamt-Produktion auch 2024 nicht erreicht wurde, d.h. die Ist-Werte liegen hinter den Soll-Werten zurรผck. Immerhin zeigt die berechnete Trendkurve (schwarz gestrichelt) ein exponentielles Wachstum. Hรคlt dieses an, kรถnnte das Ziel bis 2035 noch erreicht werden!

Bei der erneuerbaren Wรคrme sehen wir, dass das Ziel noch deutlicher verfehlt wurde und auch die Trendkurve (blau gestrichelt) nicht genรผgend Wachstum anzeigt. Aber immerhin verlรคuft der Trend beim Abbau der fossilen Wรคrme (grau gestrichelt) bis 2050 zielgenau gegen Null!
Dabei ist zu beachten, dass der gesamte Wรคrmebedarf wegen Effizienzsteigerungen (z.B. besserer Wรคrmedรคmmung) abnehmen wird. Scheinbar entwickelte sich diese Abnahmen (momentan) schneller als vermutet. – Trotzdem: Der Umbau auf erneuerbare Wรคrmeerzeugung sollte an Tempo zulegen.
Bei der zeitlichen Darstellung der Fortschrittswerte (sieheย Methodik) der erneuerbaren Stromproduktion, welche das Verhรคltnis von Soll- und Ist-Zahlen ausdrรผcken, kรถnnen wir die Entwicklung der einzelnen Bereiche noch deutlicher erkennen:

Links die Auswerte-Ampel (rot-gelb-grรผn): Werte nahe 1 (Ampel grรผn) zeigen Erfolge an, Werte von 0.5 – 0.95 (Amel: gelb) bedeuten, dass der Fortschritt zu langsam ist und Werte unter 0.5 (Ampel: rot) bedeuten viel zu langsam.
Rechts die zeitliche Entwicklung der Fortschritte der einzelnen Bereiche. Insbesondere der Photovoltaik-Ausbau (PV) ist angemessen unterwegs, dieser hat sich in den letzten Jahren sogar verbessert. Der erfolgreiche PV-Ausbau prรคgt auch die Gesamtheit der erneuerbaren Stromproduktion.
Vรถllig ungenรผgend ist hingegen die Zielerreichung bei Wind und Alpiner-PV. Solar- und Wind-Express haben nicht gezรผndet! Die Zielerfรผllung beim Wind verschlechtert sich laufend. Alpine-PV weist zwar ein schwaches Wachstum auf, aber auf einen so tiefen Niveau, dass der Fortschritt nahe bei Null liegt und in der Grafik gar nicht sichtbar wird.
Nun kann man sich fragen: Ist das wirklich schlimm? Den grรถssten Anteil des erneuerbaren Ausbaus macht (neben der Wasserenergie, die hier nicht dargestellt wird) die PV-Produktion aus. Kรถnnen die Mรคngel bei Wind und Alpiner-PV nicht durch ein starkes Wachstum der Mittelland-PV kompensiert werden? – Die Antwort lautet leider – „Nein“!
Thema Wind: Die PV Produktion hat bekanntermassen starke Tages- und Jahresschwankungen. Wind kann diese ausgleichen, da Wind und Sonne unterschiedlich aktiv sind (einerseits innerhalb der Schweiz, noch ausgeprรคgter รผber ganz Europa gesehen). Fรผr einen (kosten)optimalen Produktions-Mix sollte der Wind-Anteil grรถsser als der PV-Anteil sein (1). Davon sind wir aber in der Schweiz weit entfernt und das kommt uns teuer zu stehen, in Form von notwendigen Importen.
Thema Alpine-PV: Im Winter fehlt uns in Zukunft wegen der verminderten PV-Produktion im Mittelland Strom. Alpine-PV kรถnnte hier helfen Nebeltage zu รผberbrรผcken.
Wenn die Vorteile so klar sind, warum geht es nicht vorwรคrts mit dem Ausbau von Wind und Alpiner-PV? Insbesondere beim Wind hat sich eine ungรผnstige politische Konstellation ergeben: Einerseits Gruppen, welche dem Energiewandel skeptisch gegenรผber stehen und eh lieber AKWโs hรคtten, und andererseits Gruppen aus dem Umweltschutz, welche die Umwelt in Gefahr sehen. Durch konsequentes Ausnutzen der Einsprachemรถglichkeiten werden viele Projekte verunmรถglicht oder zumindest (zu) lange verzรถgert. Ob allen Beteiligten klar ist, dass damit die Auslandabhรคngigkeit (Importe) und die Wahrscheinlichkeit neuer AKWs zunehmen?
Hoffen wir auf eine rasche Deblockade, die den Umweltschutz trotzdem angemessen berรผcksichtigt.
Wer auch zukรผnftig im Detail verfolgen mรถchte wie es mit neuen Projekten der erneuerbaren Energie konkret weitergeht, kann dies auf der Seite des VSE tun.
(1) https://blog.kugelfish.com/2025/01/renewable-energy-system-cost-few.html
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