Autoren: Bernhard Suter, Jörg Hofstetter —
Jahreswechsel – Zeit für gute Vorsätze. Der Klimawandel wird uns jedoch bleiben, mit seinen komplexen und oft auch frustrierenden Herausforderungen.
Ohne Grafiken, Zahlenreihen und Modelle konzentrieren wir uns heute auf das Wesentlichste, um ein Gefühl zu erhalten, wo aktuell die wirkungsvollsten Hebel für den Klimaschutz liegen.
Wir suchten also nach einfachen Empfehlungen, die ohne wenn und aber in den meisten Fällen positiv wirken:
“Alles elektrifizieren, mehr Pflanzen essen und möglichst am Boden bleiben”
Wenn es im Kampf gegen den Klimawandel ein Patentrezept gibt, dann kommt die Elektrifizierung mit erneuerbarer Stromversorgung dem am nächsten.
Elektrische Alternativen zum Verbrennen von fossilen Energieträgern, sei es für Verkehr, Wärme/Kälte in Gebäuden oder für industrielle und gewerbliche Prozesse, sind in der Regel nicht nur um einige Male effizienter sondern oft auch qualitativ besser und in vielen Fällen unterdessen schon billiger.
Elektromotoren erreichen Wirkungsgrade über 90%, im Gegensatz zur theoretischen Grenze für Wärmekraftmaschinen, inklusive aller Automotoren, welche um 20-50% liegt. Eine Wärmepumpe erzeugt mit Hilfe von Umgebungswärme aus einer Einheit Strom drei bis fünf Einheiten nutzbare Wärme.
Erneuerbare Stromversorgung auf der Basis von Solar, Wind Wasser und Batterien ist heute schon in den meisten Teilen der Welt die günstigste Form von neuer Stromerzeugung und wird in massivem Ausmass ausgebaut.
Wir sollten also heute schon alle Anwendungen elektrifizieren, bei denen dies technisch möglich und finanziell tragbar ist, und ausserdem dafür sorgen, dass der zusätzliche Stromverbrauch in Zukunft aus erneuerbaren Quellen gedeckt wird. Dies ist heute in vielen Fällen eine durchaus vernünftige und machbare Forderung.
Das Ausmass von dem, was technisch und wirtschaftlich elektrifizierbar ist nimmt weiterhin zu. Durch konsequente Elektrifizierung unseres Energieverbrauches mit erneuerbar produziertem Strom könnten wir eine Grössenordnung von etwa 50% des heutigen CO2 Ausstosses vermeiden (Quelle: z.B. Speed & Scale) – und all dies ohne signifikante Einbussen oder vielleicht sogar mit Gewinn an Lebensqualität.
Der nächst-grösste Hebel in Bezug auf die CO2 Bilanz ist die Landnutzung und das Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Hochwertiges Land für die Produktion von Biomasse ist auf dieser Erde beschränkt. Intensivere Nutzung für die Landwirtschaft – z.B. Waldrodung oder Trockenlegung von Sümpfen – reduziert die Rolle dieses Landes als effiziente natürliche CO2 Senke.
Je nachdem, was wir essen, unterscheidet sich der Bedarf an Land und Wasser und damit die entstehende CO2 Bilanz um mehrere Grössenordnungen. In der Schweiz wird z.B. mehr als die Hälfte des hochwertigsten Ackerlandes für den Anbau von Tierfutter verwendet. Eine Studie hat kürzlich gezeigt, dass sich, wenn wir anstatt Tierfutter Nahrungsmittel für Menschen anbauen würden, der Selbstversorgungsgrad fast verdoppeln würde.
Der Konsens unter Ernährungswissenschaftlern für eine ausgewogene und gesunde Ernährung zeigt in Richtung von mehrheitlich pflanzlicher Ernährung (was nicht heissen soll ausschliesslich pflanzlich). Wir sollten also für eine gesündere Ernährung mehr auf unsere Ärzte hören – auch dem Klima zuliebe.
Durch bessere Landnutzung mit einer Balance von Landwirtschaft und Naturschutz könnten wir vermutlich noch ein weiteres Viertel des CO2-Budget erreichen.
Der letzte Punkt ist einerseits ein Aufruf zu mehr Pragmatismus, Unaufgeregtheit und Bodenständigkeit. Versuchen wir Absolutismus und ideologische Debatten zu vermeiden und machen dafür konsequent was gerade machbar und sinnvoll ist. ”Möglichst am Boden bleiben” ist andererseits auch ein Hinweis auf die Problematik des Fliegens. Die Luftfahrt ein wichtiges Beispiel für den letzten Teil der CO2 Emissionen, welche mit technischen Mitteln schwer zu vermeiden sind. Jeder Flug, den wir durch alternative Transportmittel zu Land oder zu Wasser ersetzen können, ist eine signifikante Verbesserung unserer Klimabilanz.
Wie bei allen einfachen Regeln ist die Realität immer etwas komplizierter, und es kommt auf viele Details an. Wir versuchen auf dieser Webseite viele dieser Details des Netto-null Zieles für die Schweiz mit Quellen, Grafiken und mathematischen Modellen auf möglichst einfache Weise zu illustrieren.
Wer jedoch eine einfache Maxime sucht, um netto-positiv zum Erreichen des netto-null CO2 Zieles beizutragen, könnte sich “Alles elektrifizieren, mehr Pflanzen essen und möglichst am Boden bleiben” mit gutem Gewissen zu Herzen nehmen. Sei es als Individuum, Gesellschaft oder politische Gemeinschaft. Für das nächste Jahr oder das nächste Vierteljahrhundert bis 2050.
In dem Sinne wünschen wir allen ein gutes und möglichst CO2-armes neues Jahr!
Entdecke mehr von CO2 Netto-Null bis 2050
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Hallo zäme
Merci für den interessanten Beitrag.
Glaube auch, dass ein einfaches robustes Modell gebastelt werden sollte.
Deshalb:
Wir brauchen klare Zielen mit Abgleich der national festgelegten Ziele und der Feststellung der Defizite. * Ein griffiges Monitoring mit Erfassung der Trends und Wirkungszusammenhänge von Massnahmen. * Eine jeweils konkrete Analyse der relevanten Sektoren: Gebäude, Mobilität, Wirtschaft, Landwirtschaft, Energie-Strommarkt: Hier Ausbau PV auf 35 TWh bis 2035 und weitere 10 TWh EE bis 2035. * Feststellung der Defizite und Forderung der notwendigen Massnahmen für Zielerfüllung.
Mit einem KI-Modell sollte das in einem Tag erledigt sein. Für das Einfüllen der richtigen Werte braucht es vielleicht 2 Tage.
Für die Erarbeitung stehen Franken 5\’000.- zu Verfügung.
Was meint Ihr?
Hg Ruedi
Ruedi Meier, Dr.oec.publ./Raumplaner ETH-Z
Präsident energie-wende-ja
Bürglenstrasse 35, 3006 Bern
079 406 56 27/031 332 49 10
Wir sind im Sinne von „Pragmatismus“ (d.h. was muss jetzt mit grösstmöglichem Hebel getan werden) dara, einfachere, intuitivere Indikatoren, die in kürzeren Zyklen aktualisiert werden können, zu entwickeln. Es wird aber noch etwas dauern, wir melden uns.